Wo ein fehlendes „D“ 260 Euro kosten kann

von Winfried Weidlich

Ausgangslage
Regionalliga Nord-Ost Winterrunde 2019 / 2020 Herren 65

Zum Zeitpunkte der Meldung gültige DTB-Wettspielordnung vom 2017:
Einem deutschen Spieler ist gleichgestellt, wer ab dem Meldetermin rückwirkend mindestens fünf Jahre ununterbrochen einen ständigen Wohnsitz durch das Einwohnermeldeamt in Deutschland nachweisen kann und seit mindestens fünf Jahren Mitglied in einem Mitgliedsverein eines Landesverbandes des DTB ist.

Meldung des Stader TC für die Winterrunde
Der Stader TC meldet an den Positionen 2 und 4 je einen Spieler mit kroatischer Staatsangehörigkeit.
Nach den Aussagen der Verantwortlichen des Stader TC hat der an Position 4 gemeldete Spieler seit mehr als fünf Jahren ununterbrochen einen ständigen Wohnsitz in Deutschland und ist seit mindestens fünf Jahren Mitglied des Stader TC.
Er ist somit einem deutschen Spieler gleichgestellt.
Bei der namentlichen Mannschaftsmeldung für die Winterrunde wurde versäumt, dieses durch das Kürzel »D« zusätzlich zur kroatischen Staatsangehörigkeit kenntlich zu machen und die Nachweise für das Vorliegen der Voraussetzungen vorzulegen.

Formaler Fehler oder sportlicher Regelverstoß?
Diese Formalie, die Gleichstellung in der namentlichen Meldung durch das Kürzel »D« zusätzlich zur eigentlichen Staatsangehörigkeit kenntlich zu machen, hat der Verein nicht beachtet.
Da der fragliche Spieler die Bedingung für die Gleichstellung mit einem deutschen Spieler erfüllt hat, hat der Verein bei der Mannschaftsmeldung keinesfalls gegen sportliche Regeln verstoßen, sondern einen formalen Fehler begangen.

Der weitere Ablauf
Normalerweise hätte dieser Formfehler im ersten oder spätestens im zweiten Spiel den Mannschaftsführern bei der Aufstellung und dem Spielleiter bei Vorlage des Spielberichtes auffallen müssen.

Aufgefallen ist das fehlende „D“ oder korrekter: der Einsatz zweier ausländischer Spieler erst nach dem sechsten Spieltag. Nach diesem sechsten Spieltag wurde vom zuständigen Spielleiter ein Ordnungsgeld verhängt und der Punkteabzug angedroht. Aufklärungsversuche des Sportwartes des Stader TC mit dem Spielleiter, diesen formalen Fehler zu berichtigen, brachten kein Ergebnis.

Die ersten sechs Spiele des Stader TC wurden wegen des Einsatzes eines nicht spielberechtigten Spielers mit 0:6 für den Gegner gewertet und es wurde ein Ordnungsgeld in Höhe von 260 Euro verhängt.
Dagegen läuft ein Einspruch.

Im letzten Spiel wurde der umstrittene Spieler von der Mannschaft noch einmal eingesetzt. Diesen Einsatz im letzten Spiel trotz eines bereits verhängten Ordnungsgeldes kann ich emotional als Setzung eines besonderen Solidaritätszeichens zwar nachvollziehen, halte diesen Einsatz in der Sache aber für eher kontraproduktiv und nicht für wirklich zweckdienlich.
Das Ergebnis: Erneut 260 € Geldstrafe.
Auch dagegen läuft noch ein Einspruch.

Über die Einsprüche ist zum Zeitpunkt dieser Veröffentlichung noch nicht entschieden.

Mein Fazit
Tennis unterliegt festen Regeln. Die müssen eingehalten werden, damit ein funktionierender Spielbetrieb aufrecht erhalten werden kann. Das steht außer Frage.

Aber man sollte sehr wohl unterscheiden, ob es sich um einen sportlichen Regelverstoß handelt oder um einen formalen Fehler, der keinerlei Einfluss auf das sportliche Geschehen hat.

Ein formaler Fehler ist ein Verstoß gegen die Form, in der etwas vor sich zu gehen hat, in diesem Fall das Prozedere der Mannschaftsmeldung. Dieser Formfehler („D“ oder nicht „D“) hätte selbst im Nachhinein berichtigt werden können, da der Spieler alle sportlichen Kriterien für seinen möglichen Einsatz erfüllt hat.

Derselbe Spieler, wegen dessen Einsatz zwei Ordnungsgebühren verhängt wurden, hätte übrigens bei Spielen der Winterrunde im Januar 2020 ohne jegliches zusätzliches „D“ eingesetzt werden können.

Ich persönlich halte bei diesem Sachverhalt die Ordnungsgelder von zweimal 260 Euro und den Zwangsabstieg weder für angemessen noch für verhältnismäßig.

Es kann doch nicht im Sinn unseres sportlichen Miteinanders sein, dass ein Spieler und eine Mannschaft in dieser harten Art und Weise bestraft werden, weil ein – im übrigen ehrenamtlich tätiger – Sportwart einen formalen Fehler gemacht hat.

Derartige finanziell und sportlich gravierende Maßnahmen sollten echten sportlichen Regelverstößen vorbehalten sein.