Herbert Althaus – mit 86 von Turniermüdigkeit keine Spur

Schon ein Blick auf die Webseite der ITF verrät Ungewöhnliches. Seit 2019 spielt Herbert Althaus in der AK 85 – und seine Ausbeute in den Jahren 2019 und 2021 bei ITF-Turnieren: 44 Einzel gespielt, 40 gewonnen und nur 4 verloren. In diesen beiden Jahren (2020 spielte er keine ITF-Turniere) gewann er 12 Internationale Einzel-Titel bei hochwertigen Turnieren ab Grade 1 bzw. ab ITF S700.

In seinem Geburtsjahr 1934 und in den Folgejahren dachte niemand aus der Familie Althaus an Tennis. Die Kindheit verbrachte Herbert in Essen wie so viele seiner Altersgenossen zuerst in Bunkern, dann in Trümmern und immer in Sorge, wie man an Essen kam.
Sport gab es in Form von Straßenfußball mit aus Lumpen genähten Stoffbällen. Und bereits in dieser trostlosen Zeit entdeckte er seine Liebe zum Tennis. Eines Tages brachte die Nachbarstochter zwei Tennisschläger mit – und Herbert hatte DEN Sport fürs Leben entdeckt.

1950 wurde die Anlage des ETUF Essen an die Deutschen zurückgegeben – und Herbert trieb zwei Paten auf und trat in den Club ein. Schule und Ausbildung zum Großhandelskaufmann und zusätzliche Abendkurse in Englisch und Französisch mit dem Ziel Außenhandelskaufmann, ließen ihm wenig Zeit zum Tennis, ermöglichten ihm aber einen guten Job unter dem Dach des weltweit bekannten Sterns von Stuttgart. In dieser Firma begann er seinen beruflichen Werdegang und in dieser endete er auch im Jahr 1999 mit dem Eintritt in den Ruhestand.

Im Jahr 1976 landete er beruflich in Hamburg und hatte dort das Glück, einen vermögenden, gleichaltrigen Tennisenthusiasten kennenzulernen, der zur Verstärkung seines Tennis Teams Topspieler aus der ganzen Welt engagierte. Und nicht nur das.  Jedes Jahr flog Herbert mit dem Team zur Saisonvorbereitung nach Florida, um unter der Leitung eines ehemaligen australischen Wimbledon Siegers die eigenen Fähigkeiten zu verbessern.
Wie gut dieses Training gewirkt und gefruchtet hat, kann man heute noch Jahrzehnte später auf dem Platz und an seinen Erfolgen erkennen. Natürlich ist er noch heute diesem Tennisfreund für das dankbar, was er mit ihm und durch ihn erleben durfte.

Sein beruflicher Wunsch, in Australien zu arbeiten, erfüllte sich nicht, aber sein Wunsch, einmal auf australischem Rasen zu spielen, ging 2009 in Erfüllung, als er mit dem deutschen 75er CUP-Team an den Weltmeisterschaften in Perth teilnahm.

Herbert Althaus muss in Perth einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben, denn ein Jahr später wurde er mit seiner Frau kost- und logisfrei dorthin eingeladen, um für Western Australia bei den australischen Doppel Meisterschaften der AK 75 teilzunehmen. Natürlich war er sofort bereit und überzeugte später mit einem dritten Platz bei den Einzel Wettbewerben.

Während seines Berufslebens blieb wenig Zeit für Tennis – daher spielte Herbert in dieser Zeit fast nur Medenspiele. Die große Zeit der Turniere begann erst mit seinem Ruhestand 1999 – und dann aber auch gleich richtig.

Die sportlichen Erfolge von ihm an dieser Stelle aufzuzeigen, würde den Rahmen sprengen. Daher werden nur der Weltmeistertitel mit der deutschen Mannschaft der AK 75 und drei weitere Vizeweltmeister Titel mit der Mannschaft hervorgehoben.

Wenn man Herbert Althaus auf dem Platz sieht, glaubt man ihm seine 86 Jahre nicht. Er sieht nicht nur gesund und sportlich aus, er ist tatsächlich einer der Fittesten seiner Altersklasse auf der gesamten Tour.
Das hat viel mit gut aufgebautem und sinnvoll dosiertem Training und viel Wettkampfpraxis zu tun, aber er hat, wie er selbst sagt, die sehr guten Gene von seinem Vater geerbt. Der war Olympia-Teilnehmer 1928 in Amsterdam über 800 m, hat als Rentner mit Langstreckenläufen begonnen und hält noch bis heute den Weltrekord über 10.000 Meter bei den über 90jährigen. Mit 94 Jahren ist er in Südafrika Weltmeister im 10.000 Meter Lauf geworden.

Über Tennis im Alter sagt er:
“ Tennis ist ein phantastischer Sport im Alter. Wir alten Herren über 80 oder gar 85 tummeln uns immer häufiger bei Turnieren. Weil wir immer noch ausreichend gesund und fit sind und weil wir den Ehrgeiz haben noch zu siegen. Fast immer auf und vor allem neben dem Platz haben wir eine Menge Spaß miteinander. Man besucht Tennisturniere an den schönsten Orten der Welt, trifft eine Vielzahl nationaler und internationaler Freunde und genießt die Geselligkeit auf und neben dem Platz, sowie alles, was das Leben lebens- und liebenswert macht. „

Herbert trainiert ständig mit guten, jüngeren Senioren – in freundschaftlicher Umgebung – im HTuHC Hamburg-Harburg. In der neu gegründeten Regionalliga Herren 80 nimmt er für den Club an der Winterrunde teil.

Tennis ist sehr wichtig für Herbert Althaus, aber die Schlussworte spricht er über das Wichtigste in seinem Leben:
„Mit meiner lieben Ehefrau Ilona, die ständig dabei ist, habe ich zwei sportliche Töchter und je zwei Enkelsöhne im Alter von 7 bis 11 Jahren, die auch schon mit dem Tennis Bekanntschaft gemacht haben.“