Und es bewegt sich doch – das LK-System

von Winfried Weidlich

Nach dem Offenen Brief einiger Mitglieder des LK- und Ranglistenausschusses an den DTB – hier bei uns zu lesen – war die Entwicklung eines neuen LK-Systems und eine mögliche Weiterentwicklung des bisherigen LK-Systems ins Stocken geraten – oder besser gesagt: in weite Ferne gerückt.

Mitglieder des Ausschusses sahen wenig Veranlassung zur weiteren Mitarbeit und vom DTB-Präsidium sah und hörte man nichts. Eine Verständigung schien nicht in Sicht.

Für Robert Hampe, Präsident des WTV und Vorsitzender des einflussreichen Bundesausschusses, ein unhaltbarer und unbefriedigender Zustand. Hampe, seit 53 Jahren aktiver Tennisspieler, folglich somit als Spieler selbst betroffen, und seit 18 Jahren Präsident des Westfälischen Tennis – Verbandes, und daher auch mit den Problemen eines ehrenamtlichen Funktionsträgers bestens vertraut, brachte es fertig, die Kontrahenten wieder an einen Tisch zu bringen.

Unter seiner sachkundigen und sachbezogenenen Moderation führte ein gemeinsames intensives und sehr ausführliches Gespräch zwischen DTB-Präsident Klaus Ulrich und Vizepräsident Thomas Heil auf der einen und Mitgliedern des Ausschusses auf der anderen Seite während der Fed Cup – Tage in Braunschweig zu einer Annäherung der Standpunkte und man einigte sich sogar einvernehmlich auf eine Marschroute für die Weiterentwicklung des LK-Systems.

Das ist ein ausgesprochen positives Signal für die an der Reform aktiv Beteiligten als auch für die von der Reform später Betroffenen – die Spielerinnen und Spieler.

Man sollte vielleicht nicht mehr von einer Reform sprechen, sondern eher von einer Weiterentwicklung des bestehenden Systems. Denn eine wichtige Prämisse des DTB war, dass es bei einer zukünftigen LK-Berechnung keine Malus-Punkte für Niederlagen geben soll, womit das ITN-Austria-System, in dem Malus-Punkte vorgesehen sind, im Grunde vom Tisch ist.

Der Ranglistenausschuss wird also wieder an die Arbeit gehen und sich zunächst mit den Themen Berechnungsintervall und Bewertung der Doppel befassen und auch die Themen Optimierung und Änderung der Bewertung werden demnächst in Angriff genommen.
Der Ausschuss wird versuchen, noch in 2019 die Themen Doppelbewertung und Berechnungsintervall zu realisieren. Das ist ein sehr sportliches Ziel, insofern ist abzuwarten, ob das wirklich bis zum 30.09.2019 gelingen wird.

Denn dieser mehr oder weniger Neuanfang ist in seiner Komplexität nicht zu unterschätzen und die Arbeit wird wohl einige Zeit brauchen, denn viele Themenbereiche sind stark miteinander verwoben und können nicht unabhängig voneinander gelöst werden.
Trotz des gemeinsamen Willens für eine möglichst gerechte, zukunftsweisende Lösung bleiben bei den Beteiligten unterschiedliche Auffassungen über manche Themenbereiche, aber wichtig ist, dass Ausschuss und Präsidium wieder (oder auch erstmals) an einem Strang ziehen und ein gemeinsames Ziel haben.

Dem Ausschuss geht es in allererster Linie um ein sportlich möglichst gerechtes System, das DTB-Präsidium hat meiner Ansicht nach in erster Linie finanzielle Prioritäten.
Diese beiden sehr unterschiedlichen Ansätze unter einen Hut zu bringen, wird nicht einfach sein.

Bei allen gegensätzlichen Standpunkten darf man eines nicht vergessen: sowohl im Ausschuss als auch im Präsidium denken, arbeiten und handeln ehrenamtliche Damen und Herren, die freiwillig diese auch nicht immer leichte und und zeitintensive Arbeit auf sich nehmen und denen man für ihren Einsatz Respekt entgegenbringen sollte, auch wenn man als Betroffener mit manchen Entscheidungen nicht einverstanden ist oder sein kann.

Ich persönlich finde den Einsatz von Robert Hampe für unseren Tennissport in diesem Fall vorbildlich und bewundernswert, denn seinem Wirken ist in erster Linie zu danken, dass es wieder weiter geht.