Und er bewegt sich doch

von Winfried Weidlich

Viele haben dem DTB verkrustete Strukturen und wenig Innovationsfähigkeit vorgeworfen. Der Vorstand um Ulrich Klaus hat reagiert – und nach ersten Kommentaren auf Facebook ist das manchem auch wieder nicht recht.
Warten wir doch einfach erst einmal einige Zeit ab, ehe wir voreilig Schnellschüsse in die Welt setzen.
Eine Konstellation wie jetzt – Boris Becker als „Head of Men‘s Tennis“ und Barbara Rittner als „Head of Women’s Tennis“ hat es so im DTB noch nicht gegeben und allein das zeigt schon das Bemühen, neue Wege zu gehen und ausgetretene Pfade zu verlassen.
In meinen Augen ist Boris Becker längst nicht mehr „der 17jährige Leimener„, wie fast immer noch kaum ein Kommentator zu erwähnen vergisst. Er war ein begnadeter Tennisspieler und ist inzwischen ein gestandener Mann mit unglaublich viel Erfahrung im Tennisgeschäft. Nicht von ungefähr kommen seine Erfolge als Coach von Novak Djokovic. Unabhängig davon, dass er bisweilen umherstehende Fettnäpfchen mit nachtwandlerischer Sicherheit zu treffen pflegt – der seriöse Boris Becker kann und wird in vielen Bereichen den DTB weiterbringen.
Erwarten wir aber bitte keine Wunderdinge. Auch im Tennis gilt der Spruch aus dem Pferdesport: „Kein noch so guter Trainer kann aus einem Ackergaul ein Rennpferd machen“.
Aber er wird sicher neue Ideen einbringen und neue Impulse geben können. Und jungen Nachwuchsspielern, denen er immer noch als Tennis-Vorbild dient, auf ihrem Weg zum Spitzentennis als Ansporn und Motivator dienen.
Für Barbara Rittner gilt ähnliches. Sie hat zwar nicht die sportlichen Erfolge wie Boris Becker aufzuweisen, aber sie hat bewiesen, dass auch sie dem deutschen Tennis Impulse geben kann. Ich bin überzeugt, dass die Zusammenarbeit beider miteinander und die Zusammenarbeit mit den Trainerstäben auf den verschiedenen Ebenen Früchte tragen wird.
Als Köpfe des gesamten Damen – und Herrenbereichs werden sie von der Koordination der Trainer und der Organisation des Jugendbereichs bis hin zur Betreuung und Akquise von Partnern zuständig sein. Sie repräsentieren den DTB international, stehen bei deutschen Turnieren als Ansprechpartner zur Verfügung und sind natürlich mitverantwortlich für Lehrgänge und Sichtungen und Entscheidungen über die Förderung von Spielerinnen und Spielern. Dass man beide demnächst häufig auf internationalen Turnieren bei der Beobachtung deutscher Spieler sehen wird, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese – von den Fernsehzuschauern als durchaus angenehmer Zeitvertreib –  empfundene Tätigkeit von eher untergeordneter Bedeutung ist. Ihre eigentliche Arbeit wird sich wohl eher nicht im Blickpunkt der Öffentlichkeit vollziehen.
Der DTB hat eine mutige Entscheidung getroffen. Wir sollten jetzt in Ruhe abwarten, was geschieht. Denn ob eine Entscheidung richtig oder falsch ist, stellt sich oft erst nach langer Zeit heraus.
Diese Zeit sollten wir dem DTB und vor allem Barbara Rittner und Boris Becker geben.