Trübe Aussichten für die Hallensaison

von Winfried Weidlich

Mit Stand vom 15. Januar 2021 ist Tennisspielen in der Halle noch in den Landesverbänden Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen-Bremen und Sachsen-Anhalt erlaubt, in den anderen Landesverbänden ist Tennis in der Halle zumindest bis zum 31. Januar 2021 nicht möglich.
Nach allen Signalen, die aus der Politik und der Medizin zu empfangen sind, ist die Verlängerung oder sogar noch eine Verschärfung der bestehenden Einschränkungen auch über den Februar hinaus deutlich wahrscheinlicher als eine Lockerung.

Tennis als Individualsport

Es ist unter Virologen, Sportmedizinern und anderen Experten unstrittig, dass Tennis als Individualsport zu zweit auf einem Platz in einer Tennishalle in Bezug auf eine mögliche Virusübertragung ein sehr geringes Risiko darstellt. Insofern wäre es durchaus vertretbar, Tennis in der Halle generell in allen Bundesländern zu gestatten.

In Regionen mit sehr hohen Infektionszahlen sind vor allem Kontaktvermeidungen das wichtigste Mittel, Übertragungen zu minimieren. Unter diesem Gesichtspunkt – Kontaktvermeidung – betrachtet, ist Tennis in der Halle vielleicht doch nicht ganz so unbedenklich wie nur unter dem Gesichtspunkt des Abstands auf dem Tennisplatz. Das allgemein propagierte Prinzip “ Kommen, spielen, gehen“ hört sich gut an, ist aber nicht immer durchzusetzen.

Es gibt Tennishallen mit einem großen Vorraum, in dem relativ problemlos sechs – zehn Spieler auf ihren frei werdenden Platz warten können. Es gibt aber auch Tennishallen mit einem nur kleinen oder gar keinen Vorraum zur eigentlichen Halle, so dass sich dort die Wartenden auf engem Raum aufhalten und möglicherweise auch mit denen noch in Kontakt kommen, die gerade den Platz verlassen. Und da Tennisspieler sich ebenso verhalten wie Nichttennisspieler – also nicht besser und nicht schlechter – ist zu befürchten, dass dieser oder jener die strengen Hygienevorschriften wie Abstand und Maske beim Warten auf den Platz, bei Seitenwechseln während des Spiels oder auch beim Verlassen des Platzes nicht einhalten wird. Das schließe ich aus manchen in den öffentlichen Medien, die einen durchaus nicht immer sorgfältigen Umgang mit Corona dokumentieren.

Wenn also auf Grund von hohen Infektionszahlen in manchen Regionen Kontakte durch weitreichende Beschränkungen vermieden werden sollen, gilt dies natürlich auch für den Tennissport. Man könnte also in schwer betroffenen Städten und Gemeinden Tennis in der Halle verbieten, in weniger betroffenen Regionen erlauben. Das aber würde bedeuten, dass jede Gemeinde oder jedes Gesundheitsamt für seinen Bereich entscheiden könnte oder müsste. Das wiederum würde dazu führen, dass je nach Infektionsstand benachbarte Gemeinden unterschiedliche Regelungen hätten und diese Regelungen sich auch noch in kurzen Abständen ändern könnten. Eine mögliche Folge: Tennistourismus von mehr oder weniger ausgeprägter Art von Gemeinde zu Gemeinde, wo gerade Hallenplätze bespielbar sind. Diese Art Tennistourismus in die noch geöffneten Hallen wird in der augenblicklichen Situation bereits praktiziert. Nicht nur innerhalb der Landesgrenzen, sondern auch Länder übergreifend von Bundesländern ohne Tennismöglichkeiten in Bundesländern mit bespielbaren Hallen, wobei auch dreistellige Kilometerzahlen in Kauf genommen werden, wie ich aus meinem Bekanntenkreis erfahren habe.

Diese Art Tennistourismus kann doch nicht das Ergebnis von sachlich begründeten Entscheidungen sein, die das Ziel haben, eine Pandemie einzuschränken.

Eine mögliche Lösung: in Ländern, Städten oder Gemeinden sachlich begründete unterschiedliche Regelungen zulassen.
Eine andere Lösung: bundeseinheitlich sachlich begründete Regelungen gebieten.

Beide Lösungen haben einen entscheidenden Nachteil: Sie bevorzugen Einige und benachteiligen Andere und damit ist keine von beiden Lösungen wirklich als gerecht anzusehen.
In dieser Situation angemessene und allseits akzeptierte Entscheidungen zu treffen, ist sicher für die Verantwortlichen in Bund und Ländern ein Dilemma und fast unmöglich.

Ich persönlich glaube, dass eine deutschlandweite einheitliche Regelung bei den meisten Tennisspielern größere Akzeptanz finden würde als dieser Flickenteppich, den wir jetzt haben.

Turniere in der Halle

Man muss keinerlei prophetische Gaben besitzen, um folgende Voraussage zu wagen:
mit Sicherheit wird in den nächsten Wochen in Deutschland kein Hallenturnier stattfinden und mit großer Wahrscheinlichkeit wird das nächste Tennisturnier auf deutschem Boden unter freiem Himmel ausgetragen werden.

Meine Prognose gilt auf jeden Fall für die großen Turniere mit mehreren hundert Teilnehmern, deren Vorbereitung mehrere Wochen erfordert und für deren Durchführung viele Restriktionen wie Hotelunterbringungen, Verbot von Zuschauern oder Kontaktbeschränkungen gelockert werden müssen.
So schwer es mir fällt, diese Zeilen zu schreiben:
Betroffen werden sicher auch die Deutschen Meisterschaften in Essen sein, immer der Höhepunkt der Hallensaison für alle Seniorinnen und Senioren. Das gilt vermutlich auch für die Deutschen Meisterschaften der AK 30 und AK 35 in Eggenstein, die leider letztes Jahr schon abgebrochen werden mussten.

Noch sind diese Turniere nicht abgesagt, die Entscheidungen werden sicher spätestens nach dem nächsten Treffen der Kanzlerin mit den Länderchefs in den nächsten Tagen fallen.
Man sollte sich nur schon einmal auf eine turnierfreie Zeit bis zur Freiluftsaison einstellen.