Offener Brief einiger Mitglieder des LK- und Ranglistenausschusses an den DTB

An
Das Präsidium des DTB
Den DTB Bundesausschuss
Die hauptamtlichen Mitarbeiter des DTB im Bereich Rangliste & LK

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Tennisfreunde,
nachdem das Thema LK-Reform seit mehreren Monaten „gärt“ möchten wir Mitglieder im Ausschuss für Rangliste und Leistungsklassen uns heute dazu äußern.

Bereits vor über 2 Jahren haben wir begonnen uns über eine Weiterentwicklung des bestehenden LK-Systems Gedanken zu machen. Alle (ja hinlänglich bekannten) Kritikpunkte wurden von uns durchdiskutiert und nach allen Überlegungen kamen wir bekanntlich zu dem Entschluss, dass eine Anlehnung an das in Österreich bereits existierende ITN-System am sinnvollsten wäre. Dieses System sollte natürlich nicht 1:1 übernommen werden, aber da es auch vom DTB- IT-Partner „Nu Datenautomaten“ programmiert wurde, erschien uns die Anlehnung an dieses existierende System effizienter und kostengünstiger als eine umfangreiche Neuprogrammierung.

Bei unseren Überlegungen war für uns oberste Prämisse, dass ein System, das umfangreich für sportliche Einstufungen genutzt wird (Mannschaftsaufstellungen, Turnierannahmen, Setzlisten etc.) den Anspruch haben muss die Spielstärke aller Spieler möglichst exakt abzubilden. Eine gewisse Bevorzugung von Viel- gegenüber Wenig-
spielern ist dabei in gewissen Grenzen sicher akzeptabel- aber nicht wie bisher in solch einem extremen Umfang.

Natürlich ist uns zu jedem Zeitpunkt bewusst gewesen, dass die Einnahmen des DTB durch die Teilnahmegebühren an LK-Turnieren ein erheblicher wirtschaftlicher Faktor sind. Der Hauptstreitpunkt in der Folge war ja die Frage, ob Niederlagen in irgendeiner Form sich negativ auf die LK auswirken sollen. Da wir das eindeutig mit „ja“ beantworten, wurde uns vorgeworfen, dass wir gegen die (wirtschaftlichen) Interessen des DTB argumentieren.

Aber genau das Gegenteil ist der Fall! Natürlich kann kurzfristig die Einführung irgendeiner Form von Malus dazu führen, dass einzelne Spieler gegen Ende des LK-Jahres ein Turnier nicht mehr spielen. Wir alle sind aber davon überzeugt, dass ein „weiter so“ bei der LK viel gravierendere Folgen hätte. Schon jetzt ist deutlich zu beobachten, dass Spieler der LK immer weniger sportlichen Wert beimessen. Die anfänglich gute Akzeptanz der LK als Grad für die Spielstärke schwindet immer stärker – und damit die Bereitschaft an diesem System aktiv teilzunehmen. Sogar einzelne Verbände beginnen bereits die LK als Norm für die namentliche Mannschaftsmeldung zu hinterfragen oder sogar zu umgehen. Aussagen wie „Aufstellung nach Spielstärke erscheint uns besser als Aufstellung nach LK“ verdeutlichen das Problem überdeutlich – und solche Sätze hört man immer öfter! Unsere feste Überzeugung ist, dass ein Beharren auf dem bisherigen System und damit ein immer stärkeres Auseinanderdriften von Spielstärke und LK in wenigen Jahren zu einem deutlichen Rückgang der LK-Spieler führen wird – und sich das auf die Finanzen des DTB viel nachhaltiger negativ auswirken wird, als ein kurzer „Maluspunkte-Knick“, der aber in der Folge durch eine deutlich verbesserte und nachhaltige Akzeptanz der LK sicher mindestens ausgeglichen wird.

Im Übrigen würden entsprechende Anpassungen auch zumindest dazu beitragen, das (bei den ehrlichen Spielern zu großem Unmut führende) Problem des „LK-Betrugs“ einzudämmen. Wenn man sich anschaut, wie viele Spiele gegen Ende der Saison gegen wesentlich schwächere Spieler „abgeschenkt“ werden, ist klar worüber wir hier reden.


Das als Vorrede – nun aber zur konkreten Entwicklung dieses Themas in den letzten Monaten.

  • Zunächst wurde unser Vorschlag das ITN-System als Grundlage der Reform zu nehmen von Bundesausschuss und Präsidium abgelehnt. Damit können ein Ausschuss des DTB und wir persönlich natürlich leben.
    Für erste Verärgerung bei uns sorgte hier aber das „Wie“. Nachweislich kannten viele der Entscheider zu diesem Zeitpunkt das ITN-System bestenfalls vom Hörensagen. Bei so einer wichtigen Entscheidung hät ten wir uns gewünscht im Vorfeld die Möglichkeit zu haben, erst einmal zu informieren und dann zu entscheiden und nicht umgekehrt. Auch die Art wie wir hier teilweise von Beteiligten hingestellt wurden, als das große Ganze nicht überblickende Ansammlung von „Fachidioten“, hat uns nicht gefallen und entspricht ganz sicher nicht der Realität.
  • Auf unsere Intervention hin wurde das Thema dann noch einmal aufgenommen und bei den Sportwarten diskutiert und dann noch einmal in einer Präsidiumssitzung behandelt. Auf großes Unverständnis bei uns ist gestoßen, dass die von uns vorgeschlagene Einladung eines Experten aus Österreich „aus Kostengrün-
    den“ abgelehnt wurde. Bei einem System, das mehr als 1 Mio € jährlich in die Kassen des DTB spült, wenige Hundert Euro an Fahrtkosten nicht aufbringen zu können – das ist schon sehr skurril. Die Krönung war aber, dass stattdessen ein hessisches Präsidiumsmitglied eingeladen wurde um gegen die angedachte LK-
    Reform Stimmung zu machen. Wolfgang Burkhardt als langjähriger Ausschuss-Vorsitzender wurde vom Präsidium des DTB in sechs Amtsjahren trotz vieler kontroverser Themen kein einziges Mal eingeladen oder auch nur angehört. Wie kann es sein, dass jemand ohne irgendeine spezielle Expertise im Präsidium auftreten und gegen den eigenen Ausschuss des DTB Stimmung machen darf? Wäre es da nicht viel naheliegender, einmal mit uns selber zu reden? Erst vor wenigen Wochen bei der Mitgliederversammlung in Mannheim hatten wir eine längere Sitzung. Die Herren Klaus und Hordorff konnten wir dabei fast eine Stunde lang lachend und redend direkt vor unserem Sitzungsfenster stehen sehen. Was hätte dagegen
    gesprochen mal für eine halbe Stunde rein zu kommen und die Thematik direkt und persönlich mit uns zu besprechen? Wir verbringen in unserer Freizeit seit vielen Jahren unentgeltlich für den DTB erhebliche Zeit um die essentiellen Systeme LK und Rangliste sinnvoll am Laufen zu halten und ständig zu optimieren. Da würde man sich etwas mehr Wertschätzung und konstruktives Miteinander durchaus wünschen.
  • In diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben kann aus unserer Sicht der erst kürzlich von einem Präsidiumsmitglied öffentlich geäußerte Vorwurf, dass wir sinngemäß „die Ranglistenqualität ja noch nicht mal im Griff haben“. Dieser Vorwurf ist ja fast schon lustig. Von Anfang an haben wir gesagt, dass die Umstellung auf ein Rundenpunktesystem nur funktionieren kann, wenn alle Turniere bis dahin adäquat kategorisiert sind. Für die Einführung der dazu nötigen Qualitätsziffer (QZ) im Jugendbereich hat der DTB 4 Jahre benötigt! Und das trotz ständiger Hinweise unsererseits. Der Gipfel war dann nach 2 ½ Jahren, in denen uns die zeitnahe Einführung immer wieder fest zugesichert wurde, der Satz des damaligen DTB Sportwartes: „Wenn Ihr es selber aus Eurer Tasche bezahlt, dann gebe ich die Umsetzung gerne bei nu in Auftrag“. Nun sind wir seit wenigen Wochen endlich in der Situation, eine weitgehend funktionierende Jugend – QZ zu haben. Diese QZ wird aber erstmals 2020 zu notwendigen Abstufungen bei schwach besetzten Turnieren führen können. Für den gesamten Aktivenbereich sind noch nicht mal die ersten Schritte in Richtung einer auch hier wichtigen QZ-Einstufung unternommen worden. Wir sollen also gute Arbeit abliefern – bekommen aber nicht einmal das grundlegendste Handwerkszeug. Wenn wir Ihnen sagen „fliegen Sie zum Mars- aber für das Raumschiff gibt es leider nur Bretter und Nägel“…dann wird das auch schwierig mit der Umsetzung. Die noch mangelnde Qualität der Deutschen Rangliste ist also hausgemacht durch Kompetenz- und Finanzierungsfragen innerhalb des DTB und liegt zum allergrößten Teil nicht in der Verantwortung des Ranglistenausschusses!
  • Nun aber zum letzten Teil des „Dramas“. Bei unserer Sitzung im November in Mannheim waren wir auf Grund der oben erwähnten Vorkommnisse zu Sitzungsbeginn schon skeptisch – haben uns aber im Laufe der Sitzung dazu durchgerungen, noch einen Versuch zu starten, um eine sinnvolle LK-Reform auf den Weg zu bringen. Wir kennen die Wünsche der Spieler, die Ergebnisse der Umfrage, unsere eigene Einschätzung, und natürlich auch die Wunschrichtung des DTB- Präsidiums und wollten versuchen das alles doch noch unter einen Hut zu bekommen. Für Februar 2019 wurde also eine Arbeitssitzung angesetzt, bei der wir noch einmal einen zweiten Wurf aufsetzen wollten, um dabei auch die Wünsche des Präsidiums
    möglichst weitgehend zu berücksichtigen. Unsere einzige Bitte dabei war: wir wollen ohne irgendwelche fixen Vorgaben ergebnisoffen in die Diskussion gehen. Es darf keine „Denkverbote“ geben und wir wollen noch einmal gemeinsam nach der besten Lösung suchen dürfen. Natürlich immer unter Berücksichtigung der ja klar geäußerten Wünsche des DTB-Präsidiums.
  • Was dann zwei Tage später passierte, brachte für uns das Fass endgültig zum Überlaufen. In seinem Newsletter verkündete der DTB, dass er in Mannheim die Grundzüge der LK-Reform festgelegt hat und listete diese Punkt für Punkt auf. Darunter auch Punkte, die wir für sehr kritisch halten und zu denen wir explizit um keine Vorfestlegung gebeten hatten.

Seitdem steht für uns fest: wenn „der DTB“ diese Punkte schon – gegen den ausdrücklichen Wunsch seines dafür zuständigen Ausschusses – so genau festgelegt hat, dann soll er sich bitte auch selbst um die Details der Umsetzung kümmern. Wir werden für die LK-Reform geschlossen nicht mehr zur Verfügung stehen. Wir lassen uns nicht vor einen Karren spannen, bei dem wir sicher sind, dass er in der falschen Richtung unterwegs ist. Das sind wir unserer eigenen Überzeugung schuldig, vor allem aber auch all den begeisterten Tennisspielern in Deutschland
die uns Woche für Woche bei verschiedensten Gelegenheiten sagen, dass das LK-Wesen einer grundlegenderen Reform bedarf und nicht nur eines „Herumdokterns“ an kleineren Details.

Wenn unsere Mitarbeit im Bereich Rangliste und in den laufenden LK-Themen noch gewünscht ist, so sind wir dazu gerne bereit. Eine LK-Reform unter Vorgaben, die wir für grundlegend falsch halten, entwickeln und umsetzen zu müssen und keinerlei Rückendeckung der Verantwortlichen im DTB für unsere Arbeit zu spüren – das haben wir alle aber definitiv nicht nötig.

Abschließend nur noch ein Wort zum Hauptamt des DTB. Die hier in ständigem Austausch mit uns stehenden Mitarbeiter Kai Stratmanns, Klaus Willert und Felix Wortmann möchten wir explizit von jeglicher Kritik ausnehmen. Sie leisten in unseren Augen hervorragende Arbeit und die Zusammenarbeit war hier stets sehr konstruktiv und von hohem gegenseitigem Respekt geprägt.

Die Mitglieder des Ausschusses für Ranglisten und Leistungsklassen


Der offene Brief als PDF-Datei