Wie man unseren Sport kaputt machen kann

Ein Kommentar von Winfried Weidlich

Wettspielordnung DTB
§ 59 Folgen bei Nichtantritt bzw. nicht vollständigem Antritt
3. Tritt ein Verein zu einem Regionalligaspiel nicht an, steigt er aus der Regionalliga ab.

Diese Regel macht Sinn, um einen geordneten Spielablauf zu gewährleisten. In normalen Situationen. Es gibt aber Situationen, wo nicht nur Regelkunde, sondern vor allem Fingerspitzengefühl für die Situation und Fingerspitzengefühl  vor allem für die beteiligten Sportler gefordert ist.

Zum Sachverhalt:
Zwischen dem vierten und fünften Spieltag der Herren 60 der Regionalliga Süd-West verstarb plötzlich ein Spieler der Herren 60 des TC Lörrach. In so einer Situation denkt selbst der größte Tennis-Enthusiast nicht an das nächste Punktspiel.  Der Gegner, Tennis 65 Eschborn, war in dieser außergewöhnlichen Situation sofort mit einer Verlegung einverstanden. Vom Spielleiter der Regionalliga Süd-West wurde am Abend des Spieltages das Spiel mit 0:9 für Eschborn gewertet und der TC Lörrach mit dem Zwangsabstieg bestraft, wie man aus der Tabelle ersehen kann.

Tabeller Herren 60 RL SüdwestQuelle: Regionalliga Süd-West

Nach den Buchstaben der Wettspielordnung  kann man diese Entscheidung sicher als regelkonform bezeichnen.  Aber auch nur nach den Buchstaben.
Denn bei etwas gutem Willen hätte man auch folgende Regeln anwenden können:

§ 58 Mannschaftsaufstellung
4. Sind zu dem Zeitpunkt, der für die Abgabe der Mannschaftsaufstellung festgesetzt
ist, in der Mannschaftsaufstellung aufgeführte Einzel- oder Doppelspieler nicht
anwesend, so rücken die anwesenden Einzelspieler oder Doppelpaare auf. Der voll-
zähligen Mannschaft sind so viele Wettspiele (Matchpunkte) mit dem Ergebnis 6:0,
6:0 gutzuschreiben, wie der gegnerischen Mannschaft Einzelspieler oder Doppel-
paare fehlen. In Fällen von Verhinderung durch höhere Gewalt kann der Ober-
schiedsrichter Ausnahmen zulassen
oder
§ 59 Folgen bei Nichtantritt bzw. nicht vollständigem Antritt
Ziffer 2 und 3 gelten nicht, sofern der betroffene Verein sein Nichtantreten nachweislich nicht zu vertreten hat. In diesem Falle gilt der Wettkampf mit 0:9 bzw. 0:6 Punk-
ten als verloren

Besondere Situationen erfordern besondere Entscheidungen – mitunter nur den guten Willen  und etwas Mut, sich von den Buchstaben einer Regel oder einer Anweisung zu lösen. Als Zeichen für unseren Sport und ein sportliches Miteinander halte ich  diese Entscheidung für eine Katastrophe. Und für völlig unverständlich.

Dass es auch anders geht, zeigt eine Entscheidung der Verantwortlichen der Regionalliga West.

Einige Tage vor dem ersten Spieltag der Herren 75 verstarb  plötzlich ein Spieler der Herren 75 des TC Johannesberg. Das Spiel wurde mit 0:9 für den Gegner gewertet, aber ein Zwangsabstieg war nicht die Folge. Der TC Johannesberg konnte weiter am Spielbetrieb teilnehmen.
Diese Entscheidung, von allen beteiligen Mannschaften der Regionalliga West als richtig und angemessen akzeptiert, war eine Entscheidung für den Sport.

Zur Erinnerung  ein Auszug aus der Satzung des DTB

§ 3
Zweck und Aufgabe
Zweck des Vereins ist die Förderung des Sports. Insbesondere gehören hierunter fol-
gende Aufgaben des DTB
a) den Tennissport zu fördern und seine Interessen zu wahren

Die Entscheidung der oder des Verantwortlichen der Regionalliga Süd-West kann ich persönlich nicht nachvollziehen. Und vermutlich geht das nicht nur mir so.