Ordnungsgeld von 600 Euro wegen zu späten Antretens – muss das sein?

Sachstand:
Das Spiel der Herren 75 in der Regionalliga Nord-Ost zwischen dem TC an der Schirnau und dem Bückeburger TV war am 29.05. 2019 um 11.00 Uhr angesetzt.  Die Mannschaftsführer hatten sich im Vorhinein auf den Spielbeginn 12.00 geeinigt. Ein Spieler aus Bückeburg war vor 12.00 Uhr pünktlich auf der Anlage des TC Schirnau, die anderen Bückeburger Spieler erschienen erst um 14.15 Uhr auf der Anlage, weil sie mit ihren Kfz wegen der Vollsperrung der Autobahn nach einem Unfall in einen mehrstündigen Stau geraten waren. Das Spiel wurde den Regeln entsprechend mit 6:0 für Schirnau gewertet.
So weit, so regelgerecht.

Vom zuständigen Spielleiter der Regionalliga Nord-Ost wurde die Mannschaft des Bückeburger TV WRB mit einem Ordnungsgeld von 600 € belegt.

In seinem Schreiben vom 31. Mai 2019 an den Bückeburger TV WRB teilt der Spielleiter mit:

Sehr geehrte Damen und Herren,
zu dem Wettspiel vom 29.05.2019 der Herren 75 gegen den TC an der Schirnau ist die Mannschaft des Bückeburger TV WRB nicht angetreten, da zum einvernehmlich vereinbarten Spieltermin (12.00 Uhr) kein Spieler anwesend war.
Dieser Sachverhalt geht zweifelsfrei aus der mir vorliegenden Stellungnahme des Sportwartes vom Bückeburger TV WRB, Herrn ……., hervor, die er mit seiner Email vom 29. Mai 2019 abgegeben hat. Das Ergebnis dieses Wettspiels wird daher auf 6 : 0 für den TC an der Schirnau festgesetzt. Die Durchführungsbestimmungen der Regionalliga-Nord-Ost sehen hierfür die Verhängung eines Ordnungsgeldes vor, das nach § 17 l) in Höhe von 600,00 € festgesetzt wird. Ich bitte Sie, diesen Betrag innerhalb der nächsten 10 Tage auf das Konto des Tennis-Verbandes Niedersachsen-Bremen, IBAN: DE28 2595 0130 0050 6997 59, bei der Sparkasse Hildesheim, zu überweisen.
Aufgrund der vorstehend angeführten Stellungnahme und eigener Überzeugung des dargelegten Sachverhaltes ist erkennbar, dass die Mannschaft des Bückeburger TV WRB zwar verspätet, aber mit 4 spielbereiten Spielern anwesend war. Nach § 59, Ziffer 4 der DTB-Wettspielordnung ist ein sofortiger Abstieg nur dann anzuordnen, wenn die Mannschaft ihr Nichtantreten nachweislich nicht zu vertreten hat, was nach der Einlassung des Sportwartes … der Fall ist. Deshalb ist nach meiner Auffassung ein Zwangsabstieg nicht anzuordnen. Gegen diese Entscheidung ist nach § 64, Ziffer 1 d) in Verbindung mit § 64, Ziffer 2 b) der DTB-Wettspielordnung das Rechtsmittel des Einspruchs möglich.
Mit freundlichen Grüßen

Dazu einige Anmerkungen

Aus der Wettspielordnung des DTB
§ 59 Folgen bei Nichtantritt bzw. nicht vollständigem Antritt
1.Ein Verein gilt insbesondere als nicht angetreten, wenn er nicht oder mit weniger als vier, bei 4er-Mannschaften mit weniger als drei Spielern zum Wettkampf erscheint. In diesem Fall werden alle bis dahin ausgetragenen Wettkämpfe dieser Mannschaft aus der Wertung genommen.
2. ….(regelt die Höhe der Ordnungsgelder und Art des Zwangsabstieges für Bundesligisten)
3. Tritt ein Verein zu einem Regionalligaspiel nicht an, steigt er aus der Regionalliga ab.
4. Ziffer 2 und 3 gelten nicht, sofern der betroffene Verein sein Nichtantreten nachweislich nicht zu vertreten hat. In diesem Falle gilt der Wettkampf mit 0:9 bzw. 0:6 Punkten als verloren, wenn die Mannschaft zum Zeitpunkt der Abgabe der Mannschaftsaufstellung mit weniger als 4 Spielern bzw. bei 4er Mannschaften mit weniger als 3 Spielern anwesend ist

Aus den Durchführungsbestimmungen 2019 für die Spiele in der Regionalliga-Nord-Ost (Sommer)
Auf der Grundlage der jeweils gültigen Wettspielordnung des Deutschen Tennis Bundes e. V. (DTB) hat der Spielausschuss der Regionalliga Nord-Ost, bestehend aus den Verbänden ……., die nachfolgenden Durchführungsbestimmungen verabschiedet.

§ 17 der „Durchführungsbestimmungen 2019 für die Spiele in der Regionalliga Nord-Ost (Sommer)“ regelt die Ordnungsgelder bei Verstößen.
Aufgeführt ist u.a.:
l) Nichtantreten der gesamten Mannschaft 600 € Ordnungsgeld
n) Antreten mit nicht vollzähliger Mannschaft je fehlender Spieler 80 € Ordnungsgeld

IV Gemeinsame Regelungen für Bundes- und Regionalligen
so lautet die Überschrift über die Paragrafen 41 – 65 der WO DTB.

Daher gelten für Bundesliga und Regionalligen dieselben grundsätzlichen Regelungen, wann Ordnungsgeld oder Zwangsabstieg erfolgen oder nicht erfolgen.
Die Höhe der Ordnungsgelder oder die Art des Zwangsabstieges liegt für die Bundesligen in der Zuständigkeit des DTB, in den Regionalligen in der Zuständigkeit der jeweiligen Regionalliga.
Aber die grundsätzlichen Bestimmungen, wann Ordnungsgeld oder Zwangsabstieg nicht verhängt werden darf, ist für Bundesligen und Regionalligen gleich geregelt.
Nach diesen für Bundesligen und Regionalligen gemeinsamen Regeln gilt:
Die Zahlung von Ordnungsgeldern und die Abstiegsregelung gelten nicht, sofern der betroffene Verein sein Nichtantreten nachweislich nicht zu vertreten hat.

In seinen Schreiben führt der Spielleiter ausdrücklich aus, dass die Mannschaft aus Bückeburg das verspätete Antreten nicht zu verschulden hat und daher ein Zwangsabstieg nicht anzuordnen ist.
Aus genau diesem Grund darf meiner Ansicht nach auch ein Ordnungsgeld nicht verhängt werden.

Daher kann ich persönlich die Entscheidung des Spielleiters, ein Ordnungsgeld in Höhe von 600 Euro zu verhängen, nicht einmal im Ansatz nachvollziehen.

Eine letzte Anmerkung
Unabhängig davon, dass das Verhängen eines Ordnungsgeldes in diesem Fall grundsätzlich gegen die Wettspielordnung des DTB verstößt, bringt mich die Berechnung dieses Ordnungsgeldes ein wenig ins Grübeln:

Wenn ein Spieler der Bückeburger Mannschaft rechtzeitig (also vor 12.00 Uhr) auf der Anlage des TC Schirnau anwesend war und ein Antreten mit nicht vollzähliger Mannschaft je fehlendem Spieler 80 Euro Ordnungsgeld kostet, hätte dann das Ordnungsgeld rein rechnerisch nicht 240 Euro betragen müssen ( vier Spieler minus ein Anwesender)?

Nur der Ordnung halber.