November – Chaos

von Winfried Weidlich

Ich persönlich kann mangels hinreichender Kenntnisse nicht beurteilen, welche Maßnahmen im November- Lockdown notwendig und damit sinnvoll sind. Wie immer man darüber denken mag: die Frustration derjenigen, die, wie Restaurants, Fitnessstudios oder andere Gewerbetreibende, ihre Läden schließen mussten, kann ich nachvollziehen.

Wir dürfen auch nicht vergessen, dass es viele weitere Gewerbetreibende gibt, die zwar ihre Geschäfte weiter betreiben dürfen, die aber von Aufträgen derjenigen abhängen, die schließen mussten – und folglich genauso betroffen sind. Nur, dass sie keinerlei Entschädigung bekommen. Darüber könnten die Verantwortlichen auch einmal nachdenken – und entsprechende Schlüsse ziehen.

Betroffen sind natürlich auch Tennistrainer, Hallenbetreiber und Turnierveranstalter (die Liste ist nicht vollständig), die mit beträchtlichen Einbußen zu rechnen haben.
Ich kann nur hoffen, dass versprochene Entschädigungen so schnell wie möglich fließen, wobei, auch das sage ich ausdrücklich, ich mit denen, die sich am Finanzamt vorbei haben bezahlen lassen und daher auf Entschädigungen nicht hoffen können, kein Mitleid habe.

Abgesehen also von den Personen, die in diesem November bis an den Rand ihrer finanziellen Existenz gebeutelt werden, sollten wir „Nur-Tennisspieler“ den Ball flach halten.

Wenn wir einen Monat lang keine Punktspiele und keine Turniere spielen dürfen, ja, selbst wir uns nicht zu einem Einzel oder Doppel aus Lust und Vergnügen am Tennis verabreden können, dann ist das zwar eine – mehr oder weniger empfindliche – Einschränkung, aber mehr auch nicht.
30 Tage ohne Tennis – es gibt Schlimmeres.

Ich stelle einmal die These auf, dass, wenn in ganz Deutschland einheitlich das Tennisspielen in der Halle verboten wäre, viele die Situation eher akzeptierten als den unsäglichen Flickenteppich dieser verschiedenen, mitunter auch beim besten Willen kaum nachzuvollziehenden Regelungen.
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In einigen Bundesländern ist Tennis in der Halle generell verboten, in anderen kann man zu zweit auf einem Platz spielen. Wieder in anderen Bundesländern kann ein Trainer zwei Personen Training geben, während im Nachbar-Bundesland man nur zu zweit in einer Drei- oder Vierfeld-Tennishalle spielen kann.
Wenn man Pech hat, wohnt man dort, wo „öffentliche gedeckte Sportanlagen“ ( was immer darunter zu verstehen ist) geschlossen bleiben.

Und wenn dann einzelne Gesundheitsämter in Bundesländern, in denen striktes Tennisverbot herrscht, entscheiden können, dass doch gespielt werden kann, ist für mich der Irrsinn komplett.

Ein föderales System hat viele Vorteile, aber in diesem Corona-November kann man deutlich sehen, wo Grenzen liegen und nicht jede Ebene, die abweichende Entscheidungen treffen darf, dieses auch tun sollte.
Nicht immer ist das, was gut gemeint ist, auch gut gemacht.

Vielleicht sind viele Tennisspieler gefrustet sind, weil sie einen Monat ihren Sport nicht ausüben können. Sie sind aber noch mehr gefrustet wegen dieser nur schwer zu verstehenden und manchmal auch nicht begründeten oder begründbaren Regulierungen der verschiedenen politischen Ebenen.

Und das führt zu einem gewaltigen Vertrauensverlust weit über den Tennissport hinaus.