Netzroller und weitere Gedanken über Tennis

Tennis ist ein Rückschlagspiel, so steht es in Wikipedia. Das kann ich nur aus eigener Erfahrung bestätigen, denn mehr Rückschläge als im Tennis habe ich in keinem anderen Spiel erlitten.
„Mensch ärgere dich nicht“ ist dagegen reines Vergnügen.

Im Grunde gehen die Probleme schon vor dem Spiel los.

Denn bevor ein offizielles Punktspiel beginnen kann, ist noch eine kleine Hürde zu überwinden: die Wahl.
In einem großen Turnier wirft der Schiedsrichter eine Münze, wir normal Sterbliche brauchen unsere Münzen für das Turnierteilnehmerentgelt. Wir werfen unseren Schläger, um zu sehen, wer die Wahl gewonnen hat.
Der Gewinner muss eine Entscheidung treffen: Aufschlag, Rückschlag oder Seite.
Hört sich einfach an, hat es aber in sich.

Die Breitbrüstigen und Selbstsicheren, die ohnehin von ihrem Sieg überzeugt sind, haben keine Probleme und entscheiden sich immer spontan für Aufschlag, selbst wenn sie diesen öfter verlieren als gewinnen. Selbstvertrauen ist alles.

Etwas länger für die Entscheidung brauchen die nicht ganz so Selbstsicheren, die weder von ihrem Aufschlag noch von ihrem Return so ganz überzeugt sind und daher lieber dem Gegner die Initiative überlassen und sich demzufolge etwas zögerlich für Rückschlag entscheiden.

Und dann gibt es die Taktiker, die sich auf die Seitenwahl konzentrieren. Die rupfen das Gras gleich büschelweise aus dem Rasen, um die Windrichtung zu prüfen. Völlig ohne Rücksicht darauf, dass Grasbüschel auf Ascheplätzen durchaus als störend empfunden werden können.

Meine volle Bewunderung aber gilt denjenigen – vermutlich Physiklehrer -, die mit einem Anemometer in der Hand den Platz betreten, um an verschiedenen Stellen Richtung und Geschwindigkeit des Windes messen, um so ihre Taktik perfekt an Wind und Wetter anpassen zu können. Und anschließend holen sie ihr Pyranometer aus der Tasche und messen Sonnenstrahlung und Strahlungswinkel. Wegen der unterschiedlichen Blendungswinkel selbstverständlich mehrfach und sehr zeitaufwändig. Und das mal mit und mal ohne Mütze auch bei völliger Windstille und dichter Wolkendecke.
Dann eben noch schnell die Höhe des Netzes mittig (91,4 cm) und außen (1,07 cm) gemessen, den korrekten Durchmesser des Tennisballes (6,54 – 6,86 cm) errechnet, das Gewicht (56,7-58,5 g) gewogen und die korrekte Sprunghöhe der Bälle überprüft (aus 254 cm Höhe auf eine Ebene aus Beton fallen gelassen muss der Ball zwischen 134,62 und 147,32 cm hoch springen).
Jetzt sind sie bereit, eine gut fundierte Entscheidung zu treffen:
in aller Regel nehmen sie Aufschlag (weil Physiklehrer sich immer zu den Selbstsicheren zählen).

Und dann gibt es auch noch Jene, die jeden Gegner in den Wahnsinn treiben. Das sind die Entscheidungsverweigerer, die sich nicht nur beim Schuhkauf stundenlang Gedanken um Farbe und Form ihrer neuen Treter machen. Ich will das gar nicht weiter ungebührlich ausführen.

Meine Bitte an diese: Springt über Euren Schatten, verzichtet auf die Wahl und gebt dem Gegner das Wahlrecht.

Wegen Euch mussten schon Spiele wegen Dunkelheit abgebrochen werden, die noch nicht einmal begonnen hatten.

Und damit ist doch wirklich keinem gedient.