IPIN – die neue Turnierteilnehmergebühr der ITF?

Auf der Internet-Seite des DTB ist zu lesen:

Der DTB-Seniorenreferent informiert – Stand 18.04. 2017 

Die IPIN, die die Voraussetzung zur Teilnahme an ITF Turnieren ist, soll ebenfalls abgeschafft werden. ( zurzeit : 25,00 USD p.a. ) Die IPIN wurde vor allem von den älteren Turnierteilnehmern wegen der „umständlichen“ Buchung über das Internet kritisiert.
Stattdessen wird über das ITF Turniernenngeld, das künftig über die ITF eingezogen und dann an die Turnierveranstalter weiter gegeben wird, ein bestimmter Betrag, (angedacht sind etwa 5,00 USD) oder möglicherweise auch ein bestimmter Prozentsatz vom Nenngeld, eingenommen. Dieser Betrag verbleibt statt des IPIN Betrages dann bei der
ITF, was natürlich all jene die nur wenige Turniere pro Jahr spielen bevorzugt und möglicherweise ein Rückgang an Einnahmen für die ITF bedeutet. Man erhofft sich aber mittelfristig eine Steigerung der Teilnehmerzahlen, welche dieses Manko dann wieder wettmachen sollte. Auch die Turnierveranstalter sollten dadurch profitieren, da die vielen „non shows“ die dann auch kein Nenngeld entrichteten wegfallen.

Abschaffung der IPIN?

Zunächst einmal:  Die Aussage des Seniorenreferenten kann man so verstehen, dass die IPIN abgeschafft wird.
Nach Rücksprache mit verschiedenen Turnierveranstaltern gehe ich davon aus,  dass die IPIN nicht abgeschafft wird. Denn ohne IPIN, die ähnlich wie die ID-Nummer des DTB nur einmal pro Spieler oder Spielerin vergeben wird, ist eine Verifizierung eines Spielers nicht möglich und damit auch keine Meldung zu einem Turnier. Auch die Berechnung von Ranglistenpunkten oder die Erstellung von Ranglisten ist ohne IPIN oder ID-Nummer nicht möglich. Die IPIN ist, ebenso wie im Bereich des DTB die ID-Nummer, eine unerlässliche Voraussetzung für den gesamten Turnierbetrieb der ITF.
Es ist daher ganz wichtig, dass der Seniorenreferent  auf der Internetseite des DTB zur Vermeidung von Irritationen den Sachverhalt noch einmal deutlich klar stellt. Und dies so bald wie möglich, denn das renommierte Magazin „Senior Tennis Service“ hat auf Facebook die Abschaffung der IPIN bereits vermeldet.

STS vom 16.4.2017

Die geplanten Änderungen

Tatsächlich geht es wohl darum, die jährlich einmalig zu zahlende Gebühr für die IPIN in eine Art Turnierteilnehmergebühr für ITF-Turniere umzuwandeln.

Bisher war am Anfang eines Jahres für die Verlängerung einer IPIN oder die erstmalige Ausstellung einer IPIN eine Gebühr von 25 $ an die ITF zu zahlen. Startgebühren für ein ITF-Turnier waren darin nicht enthalten. Die Anmeldung für ein ITF-Turnier erfolgte über die ITF ( Entry via ipin account – http://www.itftennis.com/ipin), die Startgebühren für das gemeldete Turnier  waren auf das von dem Turnierveranstalter angegebene Konto zu zahlen ( Höhe der Startgebühren, spätester Zeitpunkt der Zahlung und Bank-Details waren unter Entry Fee & Payment Conditions in den Tournament Details festgelegt).

In Zukunft wird, wenn die Planungen der ITF umgesetzt werden, die Gebühr für die IPIN in Höhe von 25 $ nicht mehr am Jahresanfang für ein Kalenderjahr an die ITF gezahlt. Statt dessen wird die Startgebühr für ein ITF-Turnier – vermutlich gleich mit der Meldung – von der  ITF einbehalten. Diese Startgebühren leitet die ITF an die Turnierveranstalter weiter, nachdem sie einen gewissen Betrag – angedacht sind 5 $ – einbehalten hat.

Folgerungen für Turnierteilnehmer  an einem ITF-Turnier

Für diejenigen, die bisher keine IPIN besitzen, aber eine IPIN beantragen wollen, bleibt alles beim alten, umständlichen Verfahren auf Englisch, Französisch oder Spanisch. Es fällt einzig die Zahlung von 25 $ am Ende der Anmeldung weg. Wer bereits eine IPIN besitzt, spart einmal im Jahr den Aufwand der Zahlung. Die Anmeldung zu einem Turnier (Entry via ipin – http://www.itftennis.com/ipin) bleibt ebenfalls völlig unverändert. Die Startgebühren für das gemeldete Turnier werden von der ITF eingezogen und nicht mehr vom Turnierteilnehmer an den Veranstalter überwiesen. Der Aufwand für denjenigen, der sich zu einem ITF-Turnier anmeldet, ist also nach wie vor genauso „umständlich“ wie bisher. Wesentliche Erleichterungen bei den Beantragung einer IPIN, der Verlängerung einer IPIN oder den Zahlungsmodalitäten bei einer Turnierteilnahme an einem ITF-Turnier kann ich nirgendwo erkennen.
Wer bisher keine ITF-Turniere gespielt hat, weil ihm 25 $ für ein oder zwei ITF-Turniere pro Jahr zu teuer waren, wird sich sicher überlegen, an diesem oder jenem ITF-Turnier in Zukunft teilzunehmen. Hier wird sich die ITF durchaus zusätzliche Einnahmequellen erschließen können.
Wer bisher weniger als fünf ITF-Turniere im Jahr gespielt hat, wird bei einer Teilnehmergebühr von 5$ pro Turnier einige Dollar sparen.
Wer aber bisher an mehr als fünf ITF-Turnieren im Jahr teilgenommen hat, wird in Zukunft pro Jahr mehr zahlen müssen.

Folgerungen für Turnierveranstalter

Alle Turnierveranstalter, mit denen ich gesprochen habe, lehnen diese Neuerung ab. Sie zahlen bereits jetzt eine Gebühr an die ITF, je nach Wertigkeit eines Turniers zwischen 175 $ für ein Grade 5-Turnier bis zu 815 $ für ein Grade A – Turnier.  Die Startgebühren   ( Entry Fee) der ITF-Turnieren flossen bisher an den Turnierveranstalter.  Demnächst wird die ITF von dem Startgeld, das sie vom Turnierteilnehmer eingezogen hat,  5$ einbehalten. Die vermutlich unausweichliche Folge:  Die Turnierveranstalter müssen und werden die Startgebühren erhöhen – und zwar um den Betrag, den ihnen die ITF abzieht. Wenn es bei 5 $ bleibt, hält es sich noch im Rahmen. Wenn aber, wie wohl auch  angedacht, ein gewisser Prozentsatz vom Startgeld einbehalten werden soll, kann es bei Turnieren mit hochpreisigen Startgeldern schon ordentlich ins Geld gehen.
Ein weiteres Problem:
Bei Turnieren ist es durchaus üblich, dass Spitzenspieler der Deutschen Rangliste oder der Weltrangliste vom Turnierveranstaler zur Steigerung der Attraktivität eines Turniers von den Startgebühren befreit werden. Wie das mit der Zahlung über die ITF zu regeln ist, bleibt dahingestellt.
Bisher setzten die Turnierveranstalter die Zahlungstermine für die Startgebühren fest und konnten die im Vorfeld eines Turniers notwendigen Ausgaben, die zum Teil recht erheblich sein können, bestreiten. In Zukunft wird das Geld von der ITF überwiesen. Ob da eine pünktliche Zahlung immer sichergestellt ist, wird man sehen. Und erst wenn der Brexit vollzogen ist, wird man auch die Transaktionskosten für Überweisungen von und nach Großbritannien errechnen können.

Fazit

Die ITF ändert die Art der Gebühren – von der einmaligen Jahresgebühr für die IPIN hin zu Gebühren für jede Turnierteilnahme – nicht aus Menschenfreundlichkeit oder weil sie uns Turnierteilnehmern Ausgaben ersparen will. Ich gehe davon aus, dass die ITF auch nach dieser Änderung der Art des Gebühreneinzuges Einnahmen in etwa gleicher Höhe erwartet wie bisher, wenn nicht gar auf längere Sicht eine Steigerung dieser Einnahmen. Ob die angedachten 5 $ Einnahmen in ähnlicher Größenordnung bringen wie das bisherige Verfahren, bleibt abzuwarten.

In den Ranglisten der ITF (Stand Ende April 2017) sind 10.641 Senioren und 3.572 Seniorinnen aufgeführt. Da jeder von diesen eine IPIN benötigt, nimmt die ITF für 2017 also mindestens 355.325 $ ein. Bei 5 $ pro Turnierteilnahme benötigt die ITF also 71.065 Turnierteilnehmer, um die gleichen Einnahmen zu erzielen. Vom 01. Januar bis zum 30. April 2017 hatten knapp 12.500 Seniorinnen und Senioren an ITF-Turnieren teilgenommen. Da im Sommerhalbjahr wesentlich mehr Turniere stattfinden als in den ersten vier Monaten des Jahres, ist eine Hochrechnung nur schwer möglich. Insofern kann man auf die weitere Entwicklung nur gespannt sein. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass auf Dauer die ITF-Gebühren steigen werden, um entsprechende Einnahmen zu generieren.


Die ITF sollte in den entsprechenden Gremien noch einmal gründlich nachdenken, ob diese angedachten Änderungen im Endeffekt sinnvoll sind und nicht mehr bürokratischen Aufwand für Turnierteilnehmer, Turnierveranstalter und die ITF selbst  bedeutet.
Es wird bis zu einer -möglichst weisen – Entscheidung noch viel Wasser den Rhein oder in diesem Fall die Themse herunterfließen und bisher sind es ja nur Gedanken und Vorschläge und keine Beschlüsse. Hoffen wir auf das Beste.

Ein Gedanke zum Schluss

Falls es doch zu dieser Änderung kommen wird, hätte ich einen Vorschlag.
Wir Deutschen haben der Welt schon viel schöne Begriffe geschenkt wie Kindergarden, Weltschmerz oder Fräuleinwunder. Fügen wir doch ein neues Wort dieser Liste hinzu. Nur für die ITF. Dann sind wir neben Englisch, Französisch und Spanisch wenigsten mit einem Wort vertreten. Da übernehme ich doch gerne einen kurzen, prägnanten Begriff unseres DTB-Präsidenten Ulrich Klaus: Turnierspielerteilnehmerentgelt.
Hat sich ja auch schon beim DTB bewährt – und wir Turnierteilnehmer können auf uns bei der ITF mit einem schönen deutschen Wort mal so richtig revanchieren..

Und wenn es irgendwann so weit ist,  dass für ein und dasselbe Turnier ITF-Gebühren, DTB-Gebühren, LK-Gebühren und Berechnungsgebühren für Ranglisten und Leistungsklassen bezahlt werden müssen, dann sollten die Turnierveranstalter diese Gebühren in ihrer Ausschreibung nicht mehr einzeln auflisten, sondern ein Komplettpaket anbieten:  Startgebühr all inclusive.

Ich fürchte fast, wir sind auf dem besten Weg dorthin.

In einer Mail vom 05. Mai 2017 – „Der DTB Seniorenreferent informiert“ << 2017.05. <<“  teilte der Seniorenreferent wörtlich mit:

Irritationen und Rückfragen zu folgender Vorinformation aus DSRI 2017.04.

Habe mal eine Frage ??
Kann man sich ab 2018 dann direkt sich zu den Turnieren anmelden ? Entfällt dann die IPIN Nummer ?

Antwort:

Mit dieser Angelegenheit befasst sich zur Zeit die „Internet-Abteilung“ der ITF, weil es natürlich wesentliche Detail-Probleme zu lösen gibt. Niemand braucht zur Zeit deshalb irritiert zu sein, da im Moment alles wie gehabt und erprobt weiter so wie gehabt abläuft. Die ITF wird jedenfalls rechtzeitig mit der neuen IPIN Lösung an die Öffentlichkeit kommen. Nach wie vor ist es das Ziel eine Erleichterung sowohl für die Spieler als auch für die Organisatoren zu erreichen.

Jürgen Vollstädt
DTB Seniorenreferent
Member of the Seniors Committee – Tennis Europe
seniorenreferent@t-online.de

Dieser Stellungnahme ist von unserer Seite erst einmal nichts hinzuzufügen. Hoffen wir mal das Beste.