Große Spiele ohne Bayern?

von Winfried Weidlich

Die Großen Spiele
Die Großen Spiele sind die Deutschen Meisterschaften der Landesverbände. Nur bei den Großen Spielen treten Damen und Herren gemeinsam in einer Mannschaft an und spielen auch nach einem einzigartigen Modus.
Gespielt wir bei den Senioren in den AK 30, 40, 50, 60 und 70.
In der AK 30 werden gespielt zwei HE, zwei DE und ein Mixed
In den AK 40 – 60 werden gespielt drei HE, drei DE, ein HD, ein DD und ein Mixed.
In der AK 70 werden gespielt drei HE, zwei DE, ein HD und ein Mixed.

Dieses oder ein ähnliches Bild werden wir wohl nie mehr zu sehen bekommen, denn der Bayerische Tennis-Verband will, wie wir hörten, an den Großen Spielen der Damen / Herren und der Senioren ab 2020 nicht mehr teilnehmen.

Man könnte sagen: Schade, dass ein Landesverband nicht mehr teilnimmt. Das wäre aber viel zu kurz gedacht. Bayern ist mehr als nur ein beliebiger Landesverband; Bayern ist mit fast 300.000 Mitgliedern (von insgesamt ca.1,4 Mill. des DTB) der mitgliederstärkste und auch finanzstärkste aller 17 Landesverbände und dementsprechend ist auch die sportliche und gesellschaftliche Bedeutung dieses Landesverbandes.

Die Ankündigung der Bayern aus heiterem Himmel hat den DTB und die anderen Landesverbände überraschend getroffen und war wohl ein Schock, wie wir aus verschiedenen Quellen hörten. Wenn dieser Rückzug tatsächlich ohne Ankündigung und ohne jegliche Absprachen oder Konsultationen mit anderen Landesverbänden oder dem DTB geschehen ist, ist dies mit mit einem konstruktiven und kooperativen Miteinander nur schwer zu vereinbaren. Denn über mögliche Reformen , Korrekturen oder sonstige Änderungen hätte man doch zumindest in den entsprechenden Gremien des DTB vor einer so weitreichenden Entscheidung reden können.

Natürlich liegt die Entscheidung, nicht mehr an den Großen Spielen teilzunehmen, allein im Ermessen der Bayern. So, wie es gute Gründe gibt, diesen traditionsreichen Wettbewerb weiterzuführen, mag es auch Gründe geben, an diesem Wettbewerb nicht mehr teilzunehmen.

Aber was werden die Konsequenzen und Folgerungen für die Fortführung der Großen Spiele sein?

Wenn sich der mitgliederstärkste und finanzstärkste Landesverband auf Knall und Fall quasi von heute auf morgen zurückzieht, dann bedeutet das unter dem Strich nichts anderes als das Ende der Großen Spiele. Denn ohne diesen bedeutenden Verband werden die Großen Spiele deutlich an sportlichem und gesellschaftlichem Wert verlieren und natürlich werden sich Landesverbände, die finanziell deutlich schlechter gestellt sind als Bayern, überlegen, ob sie sich mit Mannschaften für die Großen Spiele finanziell belasten wollen, wenn schon ein so gut betuchter Landesverband wie Bayern diese Kosten für die Mannschaften nicht mehr tragen will.

Natürlich haben die Verantwortlichen in Bayern diese Überlegungen auch angestellt, aber sind sie sich wirklich im Klaren, dass sie die Totengräber der Großen Spiele sein werden?

Mich würde brennend interessieren, was Spielerinnen und Spieler dazu sagen. Denn immer hört man von fast allen Beteiligten, dass bei diesen Großen Spielen bei allem sportlichen Ehrgeiz immer eine ganz besondere, einzigartige Atmosphäre des Miteinanders herrscht.

Die Tradition der Großen Spiele wurde 1958 mit den Spielen der AK 50 begonnen. In dieser Altersklasse war Bayern in den letzten 61 Jahren insgesamt 25mal siegreich. Mit dem Rückzug des Bayerischen Tennis-Verbandes geht ein Stück Mannschafts-Tennis-Kulturgut dahin, in Bayern und in ganz Deutschland.

Man kann nur hoffen, dass das letzte Wort in Bayern noch nicht gesprochen ist.