Gedanken zum LK-System

Es gibt tatsächlich ein LK-System, das sich seit Jahren bewährt hat, von den betroffenen Spielerinnen und Spielern als gerecht und ausgewogen empfunden wird, in dem die Berechnungen in Echtzeit funktionieren und sogar mit einer App von jedem Spieler unmittelbar nach einem Spiel nachvollzogen werden können und das bei vielen Experten ein sehr hohes Maß an Akzeptanz hat: das   ITN Austria System (International Tennis Number), das wir Ihnen vorstellen möchten.

Mängel unseres bisherigen LK-Systems
Das im DTB praktizierte LK-System hat sich grundsätzlich bewährt, das ist unstrittig. Genauso unstrittig ist aber auch, dass eine Weiterentwicklung dieses Systems unbedingt notwendig ist.
Der wohl gravierendste Nachteil des bestehenden System liegt darin, dass die LK nur einmal jährlich im Oktober für den Zeitraum 01.10. des Vorjahres bis zum 30.09. des laufenden Jahres berechnet wird. Daher ist im allgemeinen die LK eines Spielers schon nach nur wenigen Turnieren oder Mannschaftsspielen nicht mehr aktuell und entspricht möglicherweise nicht mehr seinem Spielniveau. Der Berechnungszeitraum ist einfach zu lang.
Weitere Nachteile: nur zwei Siege gegen einen Spieler derselben LK reichen aus, um die LK zu halten, wobei die Anzahl möglicher Niederlagen keine Rolle spielt. Und es ist vorgekommen, dass trotz mehrerer Siege ohne eine einzige Niederlage in den Mannschaftsspielen die eigene LK abgewertet wird, weil die Siege nur gegen LK-Schwächere erzielt wurden.
Unser bisheriges LK-System mit insgesamt nur 23 Leistungsklassen ist zu grobmaschig und spiegelt die unterschiedliche Leistungsstärke nur sehr unvollkommen oder gar nicht wider. So erhalten die Damen und Herren, die in der veröffentlichten Jahresrangliste des DTB geführt werden, automatisch die LK 1. Eine notwendige und wünschenswerte Differenzierung liegt sicher nicht vor, wenn vom ersten bis zum letzten Platz einer Rangliste dieselbe LK vergeben wird. Ähnliches, wenn auch nicht in diesem Ausmaß, gilt für die Altersklassen der Seniorinnen und Senioren. Auch hier ist eine wesentlich bessere Differenzierung sowohl für Turniere als auch für Mannschaftsaufstellungen notwendig.

Antworten aus der Befragung des DTB zum LK-System
Die ausführlichen Antworten der vom DTB durchgeführten Befragung kann auf der Internet-Seite des DTB nachlesen. Im folgenden nur die wichtigsten Antworten.

  • 76 % halten das LK-System nur für sinnvoll, wenn es deutschlandweit so einheitlich wie möglich umgesetzt wird
  • 70 % wollen, dass in ganz Deutschland nach einheitlichen Regeln gespielt wird
  • 68 % sagen, dass das LK-System die Mannschaftsaufstellungen transparenter gemacht hat
  • 61 % wünschen sich keine Änderung der Zählweisen
  • 61 % stimmen gegen die Wertung vereinsinterner Spiele
  • 55 % wollen, dass alle Doppelergebnisse stärker in die Berechnung der Leistungsklasse einfließen
  • 56% wollen, dass Niederlagen wie bisher nicht gewertet werden, aber 41% wollen, dass Niederlagen gegen schwächere Spieler in jedem Fall Auswirkungen haben
  • 39 % wolle eine jährliche Berechnung, 27 % wollen eine Berechnung einmal pro Spielrunde (Sommer und Winter) und 21% wollen eine Berechnung in Echtzeit

Aus dieser Befragung und den Antworten von mehr als 37.000 Spielerinnen und Spielern ergibt sich, dass unser bestehendes LK-System weiterentwickelt oder gar neu gestaltet werden sollte.
Damit Sie sich über die Möglichkeiten informieren können,  die ein bereits bestehendes System bietet, stellen wir Ihnen das in Österreich praktizierte System vor. So oder so ähnlich, auf deutsche Begebenheiten übertragen, könnte ein  neues oder weiter entwickeltes LK-System aussehen.

Das ITN Austria System (International Tennis Number)
Die ITN ist eine internationale Bewertungsziffer, welche die allgemeine Spielstärke eines Spielers wiedergibt. Demnach hätte die Nummer 1 Herren der Tenniswelt die Spielstärke ITN 1,00 – ein Tennis-Neuling eine Spielstärke zwischen 10,0 und 10,3. Dieses System basiert ebenso wie unser LK-System auf den Ergebnissen der direkten Begegnungen. Zu einer Verbesserung der eigenen ITN kommt es grundsätzlich bei Siegen gegen besser und schlechter gereihte Spieler.  Eine Verschlechterung der ITN ergibt sich bei Niederlagen gegen jeden schwächer gereihten Gegner, aber auch gegen besser Gereihte, wenn die ITN nicht zu sehr auseinander liegen. Da drei Stellen hinter dem Komma berechnet werden, ergibt sich eine sehr hohe Zahl (10.000) verschiedener Leistungsklassen. Diese hohe Anzahl mag auf den ersten Blick verwirrend sein, macht aber Sinn und ist leicht nachvollziehbar, wenn man sich das aufgeführte Beispiel anschaut. Denn dann wird klar, wie differenziert und ausgewogen die Berechnungen durchgeführt werden.

In der folgenden Beispielberechnung haben wir die deutschen LK 10 in die ITN umgerechnet (LK-Vergleichstabelle des DTB Stand 15.02.15)

Eigene LK10 = ITN 4,250 Verbesserung nach einem Sieg auf die ITN Verschlechterung nach einer Niederlage auf die ITN
Gegner hat LK7 = ITN 3,500 4,061 (+0,189) 4,270 (-0,020)
Gegner hat LK8 = ITN 3,750 4,093 (+0.157) 4,284 (-0,034)
Gegner hat LK9 = ITN 4,000 4,129 (+0,121) 4,306 (-0,056)
Gegner hat LK10 = ITN 4,250 4,164 (+0.086) 4,336 (-0.086)
Gegner hat LK11 = ITN 4,500 4,194 (+0,056) 4,371 (-0,121)
Gegner hat LK12 = ITN 4,750 4,216 (+0,034) 4,407 (-0.157)
Gegner hat LK13 = ITN 5,000 4,230 (+0,020) 4,439 (-0,189)

Was bei diesem System noch berücksichtigt wird :

  • Die Berechnung erfolgt automatisch  umgehend nach Erfassung des Ergebnisses und die Berechnungen  können mit einer App von jedem Spieler unmittelbar nach einem Spiel nachvollzogen werden.
  • Doppel-Matches werden ebenso ITN-gewertet und zählen somit auch für die Spielstärkeliste. Die Veränderung ergibt sich dabei aus dem jeweiligen ITN-Mittelwert der Doppelpaarungen und errechnet sich dann gleich wie im Einzel. Die Veränderungen nach oben und unten werden dabei beiden Partnern zu jeweils 25% angerechnet. Es gibt keine gesondert geführte Doppel-Rangliste! Alle ITN-Veränderungen fließen in die Einzel-Liste ein.
  • Bei der Aufgabe während des Spiels wird das Spiel gewertet wie zu Ende gespielt, bei   „w.o.“ verschlechtert sich der w.o.-Gebende um 0,10 Punkte, der „Sieger“ verändert sich nicht. Keine Verschlechterung bei einem w.o. gibt es bei Doppel-Spielen.
  • Es gibt auch die Möglichkeit, Streichresultate zu beanspruchen.

Die Berechnungen bei Siegen und Niederlagen gegen stärkere, gleichstarke und auch schwächere Gegner scheinen mir sehr ausgewogen und durchdacht. Ob man tatsächlich mit drei Kommastellen rechnen muss oder auch die Berechnung mit zwei Kommastellen eine ausreichende Differenzierung bietet, bleibt für mich offen. Die Setzung bei Turnieren und die Mannschaftsaufstellungen nach LK sind mit diesem System aber sehr viel übersichtlicher und auch  einfacher geworden.
In Österreich zahlen Mannschafts- und Turnierspieler für diese Berechnungen einen Jahresbeitrag von 15 Euro (GoldCard). Ich gehe davon aus, dass mit den vom DTB bereits erhobenen Entgelten die Kosten für derartige Berechnungen abgedeckt sind und keine zusätzlichen Gebühren oder Entgelte erhoben werden.

 

Fazit
In den nächsten Wochen und Monaten werden die entsprechenden Gremien des DTB sich mit dem LK-System befassen. Dieses weiter entwickelte oder gar neue System soll nach Möglichkeit zum 01. Oktober 2018 in Kraft treten. Das hier vorgestellte ITN Austria System ist nur eine Variante eines denkbaren LK-Systems für die Zukunft.
Jedem an diesem System Beteiligten – ob Spieler oder Funktionär – ist klar, dass es ein 100% objektiv gerechtes System nicht geben kann und nicht geben wird.
Wie immer das neue System aussehen mag, wichtig ist, dass die von Spielerinnen und Spielern gewünschten Parameter so weit wie möglich erfüllt sind, das neue System die Turnierlandschaft nicht einengt, sondern beflügelt und eine möglichst von vielen Beteiligten akzeptierte LK-Ordnung herauskommt, die auch einige Jahre Bestand haben wird.