Das Sommermärchen in Deutschland 2018 – ein Interview mit den Organisatoren der Senioren – WM

von Winfried Weidlich

 

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Sabine Schmitz und Florian Ebner

 

Bei der Weltmeisterschaft der AK 50 – AK 60 im August 2018 in Ulm und Neu-Ulm nahmen 119 Mannschaften an der Team-Weltmeisterschaft und mehr als 560 Damen und Herren an der Einzel-Weltmeisterschaft teil. Ein Mammutprogramm. Gespielt wurde auf vier sehr nahe beieinander liegenden Anlagen in Ulm und Neu-Ulm mit sehr kurzen Wegen. Die Organisatoren Sabine Schmitz und Florian Ebner haben nach übereinstimmender Meinung von Spielerinnen und Spielern , Offiziellen der ITF, des DTB und der beteiligten Landesverbände Bayern und Württemberg und der Zuschauer eine phantastische Weltmeisterschaft auf die Beine gestellt. Eine optimale Vorbereitung, eine nahezu perfekte organisatorische Durchführung auf vier Anlagen, zwei Spielerabende, von denen die Spieler aller Nationen noch tagelang voller Begeisterung schwärmten: besser kann man eine Weltmeisterschaft nicht gestalten und durchführen. Und selbst die einzige Komponente, auf die die Organisatoren keinen Einfluss hatten, spielte ebenfalls vom ersten bis zum letzten Tag mit: das Wetter war vielleicht ein wenig heiß, aber im Grund genau so perfekt wie alles andere.
Ich selbst war einige Tage vor Ort, konnte mir also ein Bild machen und nach Gesprächen mit vielen Spielerinnen und Spielern muss ich sagen: ein Sommermärchen in Ulm und beispielgebend für andere Veranstalter für Weltmeisterschaften in der Zukunft.

Die Weltmeisterschaft ist seit einigen Wochen Geschichte. Zeit, ein Fazit zu ziehen – und wer könnte das besser als Sabine Schmitz und Florian Ebner, die Macher dieser WM.

Frage: Sabine und Florian, wie zufrieden, glücklich und auch stolz seid Ihr im Nachhinein, nachdem die WM einige Zeit vorbei ist und Ihr Zeit hattet, alles zu verarbeiten?

Sabine Schmitz: Sehr, sehr glücklich und natürlich auch stolz, dieses Riesen-Event erfolgreich organisiert zu haben.
Florian Ebner: Natürlich sind wir glücklich, dass alles so geklappt hat wie wir uns es vorgestellt hatten, aber vor allem sind wir dankbar für die tolle Unterstützung aller Helfer und für das phantastische Wetter !

Frage: Wann ist Euch oder einem von Euch die Idee gekommen, eine Weltmeisterschaft in Deutschland als Organisatoren auszurichten?

Sabine Schmitz: Florian und ich kennen uns ja aus der Jugendzeit von einigen Turnieren und haben uns dann bei der EM 2016 in Sorgun  in der Türkei nach vielen Jahren wiedergetroffen. Dort entstand die Idee, wie schön es wäre, mal wieder eine EM oder eine WM nach Deutschland zu holen. Florian sagte gleich, dass seine Heimat Ulm da einiges zu bieten hätte. Eigentlich war es mehr Spaß als Ernst, beide hatten wir dieses Gespräch zunächst vergessen. Dann ergab sich 2017 plötzlich die Situation nach einer nicht befriedigenden Seniors WM in Miami. Viele Spieler und Spielerinnen beschwerten sich bei der ITF, die dann den Drei-Jahres-Vertrag mit Miami modifizierte und die WM für die Seniors noch einmal neu ausschrieb. Die Gelegenheit haben wir dann natürlich ergriffen und uns beworben.

Florian Ebner: Am Anfang war es tatsächlich nur ein Gedankenspiel und nur Gefrotzel, aber als die Chance da war, haben wir gemeinsam zugegriffen

Frage: Die Ausrichtung einer WM ist ja in vielfacher Hinsicht ein Risiko. Wie war die Unterstützung durch den DTB auch in finanzieller Hinsicht, durch die beteiligten Landesverbände, Baden, Württemberg und Bayern, die Städte Ulm und Neu-Ulm und die Vereine, auf deren Anlagen die WM dann schließlich stattfand?

Florian Ebner: Über die Unterstützung der Verbände am Ende haben wir uns sehr gefreut, auch die Stadt Neu-Ulm war sehr kooperativ. Bei den Anlagen gab es alles, von superklasse bis anstrengend und nervig.

Frage: Die Deutschen Meisterschaften haben einen Etat von 150.000 Euro. Der Etat einer WM wird nicht geringer sein, vielleicht sogar höher ausfallen. Wie bekommt man so viel Geld für die Ausrichtung einer WM zusammen und wer trug das finanzielle Risiko?

Florian Ebner: Wir kannten die sensiblen Positionen von früheren WMs und konnten viel Aufwand durch eigene Ressourcen erbringen.

Frage: Ohne natürlich in Einzelheiten zu gehen: Ist es unter dem Strich positiv ausgegangen oder hat zumindest eine schwarze Null am Ende in der Bilanz gestanden?

Florian Ebner: Wenn wir die eigenen eh-da-Personalkosten nicht ansetzen, sind die Zahlen schwarz. (Anmerkung: Florian Ebner hat bei der WM mit Personal seiner eigenen Firmen ausgeholfen und von daher Personalkosten nicht berechnet)

Frage: So eine WM über 14 Tage ist ein auch gewaltiger personeller Aufwand. Vom Turnierchef (oder der Chefin) bis hin zu Fahrdienst und Platzpflegern: wie viele Personen sind insgesamt bei einer WM im Einsatz?
Florian Ebner: Mit allen Helfern auf den Anlagen waren wir knapp 100 Leute.

Frage: Bei der WM der AK 65 – AK 85 in Umag gab es Ärger beim Team-Spielerabend, da Spielerinnen und Spieler, die nicht in den offiziellen Hotel wohnten, eine Gebühr zahlen mussten. Wie habt Ihr das geregelt?

Florian Ebner: Da waren wir sehr großzügig – wir haben auch alle Begleitpersonen eingeladen. Manche davon hatten viel Geld ausgegeben, um ihre Partner um die halbe Welt zu begleiten, da hätten wir es nicht richtig gefunden, sie nicht auch herzlich willkommen zu heißen und einzuladen.

Frage: Würdet Ihr, wenn sich die Gelegenheit böte, noch einmal eine WM ausrichten? Sei es gemeinsam in Ulm oder aber auch in anderen Städten wie Essen oder allgemein dort, wo die Infrastruktur eine WM zulassen würde?

Sabine Schmitz: Die ITF hat uns tatsächlich zu verstehen gegeben, dass sie sich über eine Bewerbung 2020 vorzugsweise wieder in Ulm sehr freuen würde….
Wir haben uns allerdings Bedenkzeit erbeten. Wir fragen uns, ob man dieses Event überhaupt noch einmal so wiederholen, geschweige denn toppen kann). Prinzipiell sind wir aber nicht abgeneigt.

Florian Ebner: Vielleicht machen wir mal wieder was zusammen, aber ob das dann wieder eine WM wird oder ein Rockkonzert, lassen wir mal offen.

Frage: Sabine, Florian wohnt in Ulm und war quasi zu Hause. Du hast bei dieser WM über 14 Tage, mit Vorbereitung sogar vermutlich noch länger, im Hotel gewohnt, warst täglich mehr als 12 Stunden auf den Beinen, musstest Dich mit größeren, aber häufiger eher mit kleineren Problemen befassen und warst mitunter sicher auch im Stress. Warum tust Du Dir das an und wie froh bist Du, wenn eine derartig intensive Veranstaltung vorbei ist?

Sabine Schmitz: Das war tatsächlich vor Ort mental und physisch eine Riesenherausforderung, bei der ich am Ende mit meinen Kräften auch am Limit war. Ich war zwar dann erleichtert und froh, endlich wieder meine Familie und Freunde zuhause zu treffen, aber auf der anderen Seite habe ich das tolle Turnierteam, das ITF Team,  das Ulmer/Neu-Ulmer Organ-Team und die Oberschiedsrichter auch vermisst.

Fazit:
Als Interviewer habe ich Verständnis, dass in einem Interview dieser Art nicht alle Fragen beantwortet werden können. Dass Ihr die Fragen nach der Unterstützung und nach den Finanzen eher zurückhaltend, also ohne in Einzelheiten zu gehen, beantwortet habt, ist verständlich und ganz normal. Es ist vor allem im Vorfeld sicher nicht alles so reibungslos über die Bühne gegangen, wie Ihr es bescheiden und auch sehr zurückhaltend formuliert. Und ich glaube auch, dass das finanzielle Risiko, das bei der Ausrichtung einer Weltmeisterschaft zu tragen ist, nicht unterschätzt werden darf. Trotz Eurer Zurückhaltung gab es, glaube ich, doch interessante Einblicke hinter die Kulissen.

Vielen Dank nicht nur für dieses Interview, sondern vor allem für wundervolle 14 Tage in Ulm und um Ulm und um Ulm herum.

WM Seniors 2018 Eröffnung (3)