Folker Seemann – ein Leben für den Tennissport

von Winfried Weidlich

Es gibt nur wenige Tennisfreunde, die den Namen Folker Seemann nicht kennen.

  • Er ist bekannt als erfolgreicher Tennisspieler mit drei WM-Titeln im Doppel und mehreren nationalen Titeln.
  • Man kennt ihn in der gesamten Tennisszene als Mitbegründer und Herausgeber des Senior Tennis Service, dem Magazin für Tennisspieler ab 30.
  • In allen Regionalligen und dem WTV kennt man ihn als Manager des TV Espelkamp-Mittwald mit ausgesprochen erfolgreichen Senioren-Mannschaften in verschiedenen Altersklassen.
  • Als Gründer der Play Sportmarketing Seemann GmbH, die seit mehr als 40 Jahren Tennis-Turniere fast in der ganzen Welt organisiert, kennen und schätzen ihn Turnierteilnehmer aus Deutschland und ganz Europa.
  • Nicht zuletzt ist er ein ausgewiesener Fachmann in allen Belangen rund um den Tennissport.

Kindheit und Jugend

1937 in Hamburg geboren, wuchs Folker in einer ausgesprochen sportlichen Familie auf, auch wenn der Schwerpunkt damals noch nicht auf Tennis lag. Vater Walter spielte Handball und Mutter Ilse Hockey, natürlich beide beim HSV, dem sportlichen Hamburger Aushängeschild. Und da war es kein Wunder, dass Sohn Folker auch in diesem Club den Sport entdeckte.  Die Karriere hatte den ersten Höhepunkt, als der 11-Jährige Hamburger Fußball-Stadtmeister beim HSV wurde; in seiner Mannschaft auch ein gewisser Uwe Seeler, mit dem Folker drei Jahre zusammen spielte.

Schon früh entdeckte Folker seine Liebe zur  damals noch weißen  Filzkugel. Mit 14 Jahren war er in seiner Altersklasse Top-Spieler in Hamburg. Sein erster Erfolg: jüngster Stuhl-Schiedsrichter am Rothenbaum, regelsicher und in englischer Sprache.


Berufliches

1955 zog die Familie wegen eines neuen Jobs des Vaters nach Bielefeld. Nach einer kaufmännischen Lehre und 18 Monaten Bundeswehr-Dienst bei der Luftwaffe mit der Entlassung als Leutnant führte ihn seine berufliche Laufbahn 1970 für ein Jahr nach Paris und 1972 für ein Jahr nach Barcelona. So wundert es nicht, dass Folker heute noch perfekt Englisch, Französisch und Spanisch spricht.
1974 gründete er im  Bielefelder Stadtteil Schildesche den „Tennispark“ , die erste vereinsfreie Tennisanlage im hiesigen Raum. 1977 folgte das „Tennisland“ im Bielefelder Stadtteil Dornberg   heute „Sportland Dornberg“.
Es folgten von 1984 bis 1992 acht Jahre beim Sportboden-Spezialisten Balsam in Steinhagen als Leiter der Abteilungen PR und Werbung. Als beruflichen Höhepunkt dieser Zeit nennt er den Auftritt bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul, als sich das Team Balsam unter seiner Gesamtleitung mit über 40 Teilnehmern der gesamten Welt des Sports vorstellte.

1988 in Seoul
v.l.: Jürgen Klinsmann, Carlo Thränhardt, Folker Seemann, Carl-Uwe Steeb, Stefan Blöcher

Tennis

Nach dem Umzug 1955 pendelte Folker zunächst zwischen Fußball beim VfL Schildesche, Hockey beim DSC Arminia und Tennis beim SuS Bielefeld, bis er sich auf den Rat seines Trainers und Lehrmeisters Georg Brandt, mit dem er später auch gemeinsam Westfalen-Meister wurde, für Tennis entschied. Zunächst spielte er im SuS Bielefeld, ab1961 startete er für den TTC Bielefeld und spielte dort 20  Jahre in der 1. Herren-Mannschaft mit seinen Freunden Franz Feldbausch, Uwe Gottschalk, Wilhelm Lohkamp, Fritz Beck, Georg Magnus und Rüdeger Meise.

Die größten Tenniserfolge in seiner überaus erfolgreichen Karriere errang er als Senior.
1983 gewann er mit seinem Doppel-Partner Klaus Fuhrmann (Witzenhausen) überraschend in Bad Neuenahr die deutsche Meisterschaft im Doppel Herren 45. Mit diesem Sieg hatten sie sich für die Weltmeisterschaft in Brasilien qualifiziert – und gewannen auch dort sensationell den Titel. Diesen konnten sie 1984 in Italien verteidigen. Zwei lange Jahre blieb diese Doppel-Paarung ungeschlagen. 2012 wollten es die beiden noch einmal wissen. Sie starteten bei der WM in Kroatien in der AK 75 und holten dort 28 Jahre nach ihrem letzten WM-Erfolg noch einmal den WM-Titel gegen die starken Tschechen Czech und Vysocki.

Klaus Fuhrmann, Folker Seemann und das Ergebnis vom Endspiel 2012

Nicht vergessen darf man zahlreiche Titel in Einzel und Doppel bei großen Turnieren in Deutschland und Europa. Folker war immer ein Team-Player. Und so schätzt er neben seinen Doppel-Erfolgen bei Weltmeisterschaften seine Mannschafts-Erfolge besonders hoch ein. Allen voran die Gold-Medaillen mit den DTB-Teams 1992 in Monte Carlo und 2009 in der Türkei, aber auch seine Erfolge mit Westfalen bei den Großen Spielen oder die mit dem TTC Bielefeld in den Punktspielen.

Große Spiele für Westfalen in verschiedenen Jahren und Altersklassen


Besonders stolz ist er auf seine Mitgliedschaft im  „Internationalen Tennis Club von Deutschland“. In diesen Club werden nur deutsche Spitzenspieler eingeladen, die den DTB erfolgreich international vertreten haben.


Senior Tennis Service

Im Jahr 1999 gründete Folker Seemann gemeinsam mit dem Senioren-Referenten des DTB, Bodo Nitsche, das Magazin SENIOR TENNIS SERVICE. Es richtet sich bis heute an alle Tennisspielerinnen und Tennisspieler ab 30 und informiert in vier Ausgaben jährlich und einem zusätzlichen Turnierkalender über alles, was in der Tennisszene und auch darüber hinaus interessant sein kann.


Der Team-Manager

Im  Jahr 2003 trafen sich Folker Seemann, der Tennis-Fachmann und Paul Gauselmann, der erfolgreiche Unternehmer und ein begeisterter Tennisspieler in Espelkamp. Dies wurde der Beginn einer ausgesprochen erfolgreichen Zusammenarbeit. Innerhalb von fünf Jahren brachten Paul Gauselmann als Förderer und Folker Seemann als Manager und Ideengeber den TV Espelkamp von der Bezirksklasse in die Regionalliga.  2010 gab es die erste Deutsche Meisterschaft in der AK 65, der drei weitere Meisterschaften bei den Herren 70 und eine bei den Herren 75 folgten.
2021 gibt es  eine Mannschaft AK 70 in der Regionalliga,  drei Teams AK 75 (2 x Regionalliga, 1 x Westfalen-Liga) und auch erstmals eine Mannschaft AK 80.

Paul Gauselmann, Folker Seemann und erfolgreiche Mannschaften des TV Espelkamp-Mittwald


Das Wichtigste zum Schluss: Die Familie

Ganz besonderen Wert legt Folker Seemann auf die Feststellung, dass er ohne seine Frau Monika – Unterstützung, Muse, Hilfe, Motivation und ruhender Pol der Familie in guten wie in weniger guten Zeiten – niemals diese beruflichen und sportlichen Erfolge hätte erreichen können.

Durch eine Krankheit kann Folker Seemann seinen geliebten Sport auf roter Asche nicht mehr ausüben. Aber er gibt seine reichhaltigen Erfahrungen gern weiter oder wie er scherzhaft sagt: „Ich spiele nicht mehr, ich lasse jetzt spielen.“
Zwei Söhne (Axel, 55 und Frank, 53) und vier Enkelkinder sorgen dafür, dass Tennis  im Hause Seemann auch in der Zukunft großgeschrieben wird.

Auch Folker selbst bleibt dem Tennissport erhalten. Zwar nicht mehr als Aktiver auf dem Platz, aber in seinen Funktionen als Herausgeber des Senior Tennis Service und als Manager der Seniorenmannschaften des TV Espelkamp-Mittwald wird er weiterhin mitten im Tennisleben stehen.

oben links: Söhne Frank und Axel mit Mutter Monika
oben Mitte: Enkel Carlo, Enkelin Kira und Sohn Axel
unten links: Enkelinnen Lynn und Lauren mit Opa Folker
rechts. Monika und Folker