European Senior Club Championships – Sport oder Muster ohne Wert?

von Winfried Weidlich

An den European Senior Club Championships 2019 haben im September 2019 in den AK 35 – 55 insgesamt 32 Mannschaften teilgenommen. Deutsche oder österreichische Mannschaften hatten nicht gemeldet. Die EM der AK 60 – 75 findet vom 02. – 07. Dezember 2019 statt.
Die Frage ist: Haben Europameisterschaften für Vereinsmannschaften so, wie sie ausgeschrieben sind und durchgeführt werden, überhaupt irgendeinen sportlichen Wert?

2019 European Senior Club Championships Regulations (Auszug)
Pro Land dürfen maximal zwei Vereine am Wettbewerb teilnehmen: Meister und Zweitplatzierter der Mitgliedsländer des Vorjahres.

In diesem Jahr starteten die AK 35 – AK 55 im September, die älteren AK werden im Dezember starten.
Die Begrenzung auf zwei Vereine pro Land ist einsichtig, dass es Meister und Vizemeister des Vorjahres sein sollen, eher nicht.

In vielen Nationen so wie in Deutschland stehen die nationalen Mannschaftsmeister erst im September, selten früher, fest. Folglich können die erst im September 2019 feststehenden Meister nicht schon im September oder Oktober um den Europameister-Titel spielen. Insofern ist es zwar vom Zeitablauf her logisch, aber sportlich recht sinnlos, dass die nationalen Meister von 2018 (also die Meister des Vorjahres) den Europameister 2019 ausspielen.
Warum wird die EM der Vereine nicht jeweils zwischen Mitte November und Mitte April des Folgejahres ausgetragen? Dann findet diese EM relativ kurz nach der Ermittlung der nationalen Meister statt, ist aber entschieden, bevor die neuen nationalen Meister ermittelt werden.
So wie 2019 der Dezember für die älteren Altersklassen festgelegt wurde, könnten doch generell alle Altersklassen auf diesen oder einen ähnlichen Zeitraum gelegt werden.

2019 European Senior Club Championships Regulations (Auszug)
Wenn der Gewinner und/oder der Zweitplatzierte nicht am Wettbewerb teilnimmt, kann der Nationalverband andere Clubs an ihrer Stelle nominieren

Diese Regel ist sportlich kontraproduktiv. Sie führt dazu, dass nicht die sportlich stärksten Clubs an einer EM teilnehmen, sondern die an einer Teilnahme interessierten, mitunter völlig unabhängig von ihrer sportlichen Spielstärke. Frei nach dem Motto: Wir haben mal an einer EM teilgenommen. 2019 startete sogar eine zweite Mannschaften eines Vereins bei der Club-EM.

2019 European Senior Club Championships Regulations (Auszug)
Der Sieger der vorangegangenen Europameisterschaften. Wenn der Gewinner nicht am Wettbewerb teilnimmt, kann der Zweitplatzierte teilnehmen.

Diese Regel bedeutet bei der momentanen zeitlichen Abwicklung der EM im Klartext, dass an der EM 2019 der Titel-Träger von 2017 teilnehmen kann, was für mich keinen Sinn macht.

2019 European Senior Club Championships Regulations (Auszug)
Nur Spieler, die Mitglieder des Clubs sind, den sie vertreten, dürfen starten
Spieler, die für einen anderen Verein, in derselben AK, in demselben Land und im gleichen Jahr, in dem Club-Europameisterschaften stattfinden, gespielt haben, sind nicht spielberechtigt.
Maximal zwei ausländische Spieler (mit einer anderen Nationalität als der des jeweiligen Vereins) sind pro Team erlaubt.

Zwei interessierte, aber sportlich nicht qualifizierte Clubs der AK 60 aus Deutschland nehmen an der EM teil, da Meister und Vizemeister verzichtet haben.
Wenn ich die Regeln richtig verstehe, kann geschehen:

Club A verstärkt sich mit zwei deutschen Spielern des Deutschen Meisters der AK 65, zusätzlich mit einem Franzosen und einem Italiener, die beide nicht in Deutschland gespielt haben.
Club B verstärkt sich mit zwei deutschen Spielern des Vize-Meisters der AK 65 und zusätzlich mit einem Franzosen und einem Italiener, die beide nicht in Deutschland gespielt haben.
Club A und Club B nehmen die vier Spieler jeweils als Mitglieder auf.
Da spielen also vier Spieler in einer Mannschaft um den Europameister-Titel, die zuvor nicht für diesen Club gespielt haben und vermutlich auch danach nie wieder für diesen Club spielen werden. Wie sportlich ist es, für nur einen einzigen Wettbewerb eine Mannschaft zusammenzustellen oder zu verpflichten?

Natürlich liegen in fast jeder Mannschaftssportart zwischen nationalem Titelgewinn und Beginn eine EM Transferfenster, in denen Mannschaften sich verändern können. Aber diese Veränderungen gelten dann für eine Saison – und nicht nur für eine Club-EM.

Mein Fazit:
Tennis Europe muss einige Regeln ändern, damit die Club-EM wieder (oder überhaupt) attraktiv und sportlich interessant wird.
Für mich sind die European Senior Club Championships, so wie sie jetzt durchgeführt werden, ohne jeglichen sportlichen Wert.
Man könnte sie weglassen – oder zeitliche Änderungen und Regeländerungen vornehmen, damit eine Europameisterschaft für Mannschaften ihren Namen auch wieder zu Recht führt.

Gerade bei diesem Regelwerk von Tennis Europe für die Club-EM wird deutlich, dass Spielberechtigungen in einer Saison gleichzeitig für mehrere Mannschaften unseren Sport nicht fördern.