Der Einsatz von EU – Bürgern in Senioren-Mannschaften

von Winfried Weidlich

In einem sehr verständlich formulierten Urteil hat das Landgericht Dortmund klar gestellt, dass auch die Ausübung des Tennissports als Freizeitbeschäftigung vom Anwendungsbereich des Art. 21 AEUV und somit vom Schutzbereich des Art. 18 AEUV erfasst ist.(AEUV = (Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union) . Somit ist eine zahlenmäßige Beschränkung von EU-Bürgern im Wettkampf-Tennis nicht zulässig. Dieses bahnbrechende Urteil des Landgerichts Dortmund zum Einsatz von Ausländern im Wettspielbetrieb des Westfälischen Tennis-Verbandes gilt zwar nur für den Bereich des WTV, wird aber auch Auswirkungen auf die Wettspielordnungen anderer Landesverbände und des DTB haben.
Zum Urteil des Landgerichts Dortmund

Dieses Urteil wird dazu führen, dass in den Wettspielordnungen der Landesverbände und des DTB der Einsatz von EU-Ausländern im Seniorenbereich nicht mehr zahlenmäßig eingeschränkt werden darf und EU-Ausländer deutschen Spielern gleichgestellt werden. Wenn die Landesverbände, die das bisher nicht unter Berücksichtigung der AEUV geregelt haben, und der DTB das nicht von sich aus regeln, wird meiner Ansicht nach unweigerlich die nächste Klage und das nächste Urteil sie dazu zwingen.

Unabhängig davon, ob man persönlich die uneingeschränkte Spielberechtigung von Bürgern der EU-Staaten im Seniorentennis falsch oder richtig findet, alle vom DTB bis zum Mannschaft in der untersten Spielklasse werden sich auf die neue Situation einstellen müssen.

Die Auswirkungen auf Clubs und Mannschaften werden unterschiedlich sein. Grenznahe Clubs werden vermutlich mehr betroffen sein – und vielleicht auch mehr profitieren – als Clubs mitten in Deutschland. Und natürlich kann es in den höheren Klassen, wo Aufwandsentschädigungen oder sonstige Zuwendungen gezahlt werden, zu weitreichenderen Veränderungen kommen. Aber es ist doch jetzt schon so im Seniorenbereich: Wer Deutscher Meister werden will, kann dieses Ziel ohne finanzkräftige Sponsoren nicht erreichen. Und die Zahl von Spitzenspielern in der EU ist auch zahlenmäßig begrenzt. Insofern glaube ich persönlich zwar, dass nach der Aufhebung der Beschränkung demnächst mehr EU-Bürger in unseren Mannschaften spielen, aber an eine inflationäre Entwicklung oder gar an eine „Benachteiligung“ deutscher Spieler glaube ich nicht.
Denn in acht Landesverbänden war der Einsatz von EU-Ausländern schon in der Vergangenheit nicht eingeschränkt.

Nationale Deutsche Meisterschaften wie Bad Neuenahr und Worms im Sommer oder Essen oder Eggenstein im Winter werden meiner Ansicht nach von diesem Urteil nicht betroffen.

Für eine Gruppe von Spielern wird die neue Regelung ein Segen sein. Denn EU-Bürger, die in Deutschland wohnen, arbeiten und Tennisspielen, benötigen keine Bescheinigung mehr vom Einwohnermeldeamt, um in ihrem Club in einer Mannschaft spielen zu können. Diesen Gang zur Behörde und die 15 Euro können sie sich sparen.

Regelungen in den Wettspielordnungen des DTB und aller Landesverbände

Beim Lesen der Wettspielordnungen der Landesverbände konnte ich feststellen, wie unterschiedlich diese Ordnungen in den verschiedenen Landesverbänden aufgebaut, wie unübersichtlich und bisweilen auch wenig verständlich manche dieser Ordnungen sind. Daher kann ich Fehler nicht ganz ausschließen und bitte um eine kurze Email, wenn Sie eine Berichtigung haben. Ich beziehe mich bei den Zahlen nur auf EU-Bürger; Nicht-EU-Bürger und deutschen Spielern Gleichgestellte sind nicht berücksichtigt.

In folgenden Landesverbänden ist der Einsatz von EU-Bürgern nicht eingeschränkt
– Mecklenburg-Vorpommern
– Mittelrhein
– Niedersachsen-Bremen
– Rheinland-Pfalz
– Saarland
– Schleswig-Holstein
– Thüringen
– Westfalen

In folgenden Landesverbänden können
-bei 6er-Mannschaften 2 EU-Bürger,
– bei 4er-Mannschften 1 EU-Bürger eingesetzt werden
– Bayern
– Hamburg
-Hessen
– Niederrhein
– Sachsen
– Sachsen-Anhalt
– beim DTB

In Baden können bei 6er- und 4er-Mannschaften je 2 EU-Bürger eingesetzt werden.
In Württemberg kann bei 6er- und 4er-Mannschaften je 1 EU-Bürger eingesetzt werden.

Auszüge aus den Wettspielordnungen
Quelle: der jeweilige Verband

Wettspielordnung DTB
§ 58. 8. In den Wettbewerben ab Damen 30 und ab Herren 40 müssen mindestens vier, bei 4er Mannschaften mindestens drei Spieler mit deutscher Staatsangehörigkeit bzw. Spieler, die die Bestimmungen nach § 44 Ziffer 9 erfüllen, jeweils sowohl im Einzel als auch im Doppel eingesetzt werden.
Quelle: DTB

Wettspielordnung Badischer Tennisverband
§18 6. Sowohl in den Einzel- als auch den Doppelspielen müssen bei Sechser-Mannschaften jeweils mindestens vier, bei Vierer-Mannschaften jeweils mindestens zwei Deutsche im Sinne des § 4 WSpO eingesetzt werden

Wettspielordnung Bayerischer Tennis-Verband
§31 6. In allen Spielklassen in Erwachsenenmannschaften (Bayernliga und alle darunterliegenden Klassen) dürfen pro Wettkampf bei 6er-Mannschaften zwei Spieler ohne deutsche Staatsangehörigkeit und bei 4er-Mannschaften ein Spieler ohne deutsche Staatsangehörigkeit eingesetzt werden.

Wettspielordnung Tennis-Verband Berlin-Brandenburg
§9 (3) Werden Spieler gemeldet, welche die deutsche Staatsangehörigkeit nicht besitzen, so sind diese mit den nachgesetzten Buchstaben EU (aus Ländern der Europäischen Union) oder A (aus anderen Ländern) zu kennzeichnen.
§16 (1) In einem Verbandsspiel können alle spielbereiten, namentlich gemeldeten Spieler einer Mannschaft aufgestellt werden.

Wettspielordnung Hamburger Tennis-Verband
II. 3. In allen Spielklassen des Aktiven- und Seniorenbereiches müssen pro Wettkampf (sowohl in den Einzeln als auch in den Doppeln) mindestens 4 Deutsche (bei 4er-Mannschaften mindestens 3 Deutsche) eingesetzt werden.

Wettspielordnung Hessischer Tennis-Verband
§25 In allen Spielklassen sind in jedem Wettkampf bei 6er-Mannschaften jeweils nur zwei Ausländer/Staatenlose und bei 4er-Mannschaften nur ein Ausländer/Staatenloser teilnahmeberechtigt.

Wettspielordnung Tennisverband Mecklenburg-Vorpommern
§7 9. Bei den Spielen in der Oberliga darf je Begegnung nur ein Spieler eingesetzt werden, der nicht die Staatsangehörigkeit eines Mitgliedstaates der EU besitzt. Bei den übrigen Klassen dürfen zwei Spieler eingesetzt werden, die nicht die Staatsangehörigkeit eines Mitgliedstaates der EU besitzen

Wettspielordnung Tennisverband Mittelrhein
§ 5 (1) Staatsangehörige anderer Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) sind im Wettspielbetrieb deutschen Spielern gleich gestellt.
(2) Je Wettspiel darf nur ein Staatsangehöriger eines Nichtmitgliedstaates der EU oder ein Staatenloser eingesetzt werden.

Wettspielordnung Tennis-Verband Niederrhein
b) Nur für die Niederrheinliga (ab Damen 30 und ab Herren 40): In den Wettspielen ab Damen 30 bzw. ab Herren 40 müssen bei 6er Mannschaften mind. vier, bei 4er Mannschaften mind. drei Spieler mit deutscher Staatsangehörigkeit bzw. Spieler, die gem. § 6 Ziffer 6 einem Spieler mit deutscher Angehörigkeit gleichgestellt wurden, sowohl im Einzel als auch im Doppel eingesetzt werden. Des Weiteren dürfen maximal zwei Spieler eine EU-Staatsangehörigkeit haben und maximal ein Spieler, der nur die Staatsangehörigkeit eines Staates außerhalb der EU hat, eingesetzt werden.
c) Für alle Spiel- und Altersklassen bis einschließlich zur 1. Verbandsliga: In jedem Mannschaftsspiel müssen bei 6er Mannschaften vier, bei 4er Mannschaften mind. drei Spieler mit deutscher Staatsangehörigkeit bzw. Spieler, die gem. § 6 Ziffer 6 einem Spieler mit deutscher Staatsangehörigkeit gleichgestellt wurden, sowohl im Einzel als auch im Doppel eingesetzt werden. Des Weiteren dürfen maximal zwei Spieler eine EU-Staatsangehörigkeit haben und maximal ein Spieler, der nur die Staatsangehörigkeit eines Staates außerhalb der EU hat, eingesetzt werden.

Wettspielordnung Tennisverband Niedersachsen-Bremen
§12 6. In einem Wettkampf (Einzel und Doppel) darf für eine Mannschaft nur ein Spieler eingesetzt werden, der nicht die Staatsangehörigkeit eines Mitgliedsstaates der EU besitzt. EU-Ausländer gelten als Deutsche.

Wettspielordnung Tennisverband Rheinland-Pfalz
§13 2. An jedem Spieltag darf für eine Mannschaft nur ein Spieler eingesetzt werden, der nicht die Staatsangehörigkeit eines Mit-gliedstaates der EU besitzt.

Wettspielordnung Saarländischer Tennisbund
§7 8. Bei jedem Mannschaftsspiel der Saarland-und Verbandsligen darf ein Spieler, der nicht die Staatsangehörigkeit eines Mitgliedsstaates der EU besitzt oder staatenlos ist, mitwirken. Ansonsten dürfen beliebig viele Spieler, die die Staatsangehörigkeit eines Mitgliedsstaates der EU besitzen, eingesetzt werden.

Wettspielordnung Sächsischer Tennis Verband
Keine Regelung für Ausländer, daher gilt die WO des DTB
§3 1, Teilnahmeberechtigt für Wettspielveranstaltungen des STV sind Mitglieder von Vereinen des STV, die eine Spiellizenz für einen Mitgliedsverein des STV haben.
§4 Die Teilnahmeberechtigung für Wettspielveranstaltungen des STV kann für Spieler ohne deutsche Staatsbürgerschaft (Ausländer) eingeschränkt werden.

Wettspielordnung Tennisverband Sachsen-Anhalt
§ 8 2.a In jeder 6er-Mannschaft sind zwei Ausländer oder Staatenlose teilnahmeberechtigt.
2.b In jeder 4er-Mannschaft ist ein Ausländer oder Staatenloser teilnahmeberechtigt.

Wettspielordnung Tennisverband Schleswig-Holstein
§ 33 Bei den Wettspielen der Verbands- und Landesligen dürfen pro Mannschaft nicht mehr als zwei Spieler gemeldet werden, die nicht die Staatsangehörigkeit eines Mitgliedsstaates der EU besitzen. 2. Bei den Wettspielen der Verbands- und Landesligen darf pro Mannschaft nicht mehr als ein Spieler eingesetzt werden, der nicht die Staatszugehörigkeit eines Mitgliedstaates der EU besitzt.
3. In den Spielklassen unter Verbands- und Landesliga sind Meldung und Einsatz von Spielern, die nicht die Staatszugehörigkeit eines Mitgliedsstaates der EU besitzen, unbeschränkt zulässig.

Wettspielordnung Thüringer Tennis-Verband
§ 6 In einer Oberliga, Verbandsliga oder Bezirksliga darf je Mannschaft pro Spiel nur ein Spieler eingesetzt werden, der nicht die Staatsangehörigkeit eines Mitgliedsstaates der EU besitzt.

Wettspielordnung Westfälischer Tennis-Verband
§10 2. Spieler mit deutscher Staatsbürgerschaft und Spieler mit einer Staatsbürgerschaft eines EU-Mitgliedsstaates sind gleichgestellt und somit ohne Einschränkungen spielberechtigt. Pro Spieltag (Einzel und Doppel) ist nur ein Spieler spielberechtigt, der nicht die deutsche Staatsbürgerschaft oder die Staatsbürgerschaft eines Mitgliedsstaates der EU besitzt.

Wettspielordnung Württembergischer Tennis- Bund
§33 In einer Mannschaft (Einzel und Doppel) kann auf Verbands-und Bezirksebene nur ein Spieler aufgestellt werden, der nicht Deutscher ist.