DTB – Teilnehmerentgelt auch für ITF – Turniere?

Ein Kommentar von Winfried Weidlich

Laut Duden ist ein Gerücht etwas, was allgemein gesagt und weitererzählt wird, ohne dass bekannt ist, ob es auch wirklich zutrifft. Wenn aber nun ein Gerücht durch vertrauenswürdige und im allgemeinen gut unterrichtete Quellen bestätigt wird, dann ist es mehr als nur ein Gerücht und daher eine Nachricht wert.
Wir haben gehört, dass im DTB nachgedacht oder aber auch bereits geplant wird, ein Turnierteilnehmerentgelt auch für ITF-Turniere zu erheben, die in Deutschland stattfinden.

Kann das DTB – Präsidium dieses so einfach ohne Beschluss der Mitgliederversammlung beschließen?

Ja, das ist möglich. Denn der DTB hat vorausschauend die Weichen gestellt. Auf der Mitgliederversammlung im November 2016 wurden eine neue Ranglistenordnung, eine neue Turnierordnung und eine neue Leistungsklassenordnung beschlossen. In diesen Ordnungen wurde nicht mehr der Begriff „Gebühr“ , sondern der Begriff „Entgelt“ verwendet. Was auf ersten Blick nebensächlich erscheint, hat weitreichende Auswirkungen, denn im juristischen sowie im verwaltungs- und finanzrechtlichen Sinn bestehen erhebliche Unterschiede zwischen Gebühr und Entgelt.
Gebühren fallen unter den Sammelbegriff Abgaben – und nach der Satzung des DTB bestimmt die Mitgliederversammlung die Höhe der Beiträge und Abgaben.
Entgelte sind eine als Gegenleistung für geleistete Arbeit gewährte Bezahlung – und fallen daher nicht in die Zuständigkeit der Mitgliederversammlung.
In den neuen Ordnungen ist klar geregelt, wer die Entgelte festlegt:
das Präsidium des DTB

Womit müssen wir rechnen?

Die ITF wird ab 2020 nach Wegfall der jährlichen IPIN-Gebühr für jedes ITF-Turnier eine Teilnahmegebühr von 7 Euro erheben. Diese wird mit der Anmeldung gezahlt und vom Turnierveranstalter an die ITF überwiesen.
Nach unseren Informationen plant der DTB , das Turnierteilnehmerentgelt, das bisher nur für DTB-Turniere entrichtet werden musste, auch für die Teilnahme an ITF-Turnieren einzuführen.
Es ist zu erwarten – auch wenn eine Entscheidung über die Höhe noch nicht gefallen ist – dass sich dieses Entgelt für ITF-Turniere entweder nach der Höhe der ITF-Gebühren (7 €) richten wird oder dass wie für DTB-Turniere 8 € erhoben werden.
Das bedeutet für den Turnierteilnehmer 14 oder 15 Euro zusätzliche Startgebühr bei jedem ITF-Turnier, das in Deutschland stattfindet.
Turnierveranstalter werden diese neuen zusätzlichen Kosten nicht ohne Nenngeld-Erhöhungen auffangen können. Manche – vor allem vermutlich die Veranstalter großer Turniere – können vielleicht einen Teil auffangen, aber vor allem Veranstalter kleinerer Turniere werden diese Kosten in vollem Umfang weitergeben müssen. Das ist zumindest die Befürchtung, die ich schon verschiedentlich gehört habe.
Nun kann man sagen: 14 oder 15 Euro sind nicht die Welt – und Tennisspieler können sich diese Summe im allgemeinen auch leisten.
Aber es ist schon die Frage, auch wenn ich es mir leisten kann, ob ich bereit bin , 85 Euro für ein Grade 3- Turnier oder 80 € für ein Grade 4 – Turnier auszugeben.
Die Zahl der Turnierteilnehmer bei den einzelnen Turnieren stagniert oder sinkt sogar. Dieses neue zusätzliche Entgelt kann dazu führen, dass zumindest bei Turnieren Grade 3 oder Grade 4 noch weniger Teilnehmer melden oder auch zu Turnieren im angrenzenden Ausland abwandern, da dort das Nenngeld bei manchen ITF-Turnieren geringer ist.

Im Jahr 2019 finden insgesamt 35 ITF-Turniere in Deutschland statt.
Bis zum 01. September 2019 nahmen an 24 ITF-Turnieren insgesamt ca 4200 Spielerinnen und Spieler teil. Nach den Teilnehmerzahlen 2018 der noch ausstehenden Turniere (ca 1500 Teilnehmer) werden also ca. 5700 Teilnehmer an den ITF-Turnieren 2019 zu erwarten sein.
Bei 8 € pro Teilnehmer ergeben das Einnahmen von ca. 46.000 €.
Ist das eine Summe, die es wert ist, die Turnierlandschaft so durcheinander zu wirbeln und den Veranstaltern kleinerer Turniere eventuell sogar das Wasser abzugraben.

Das Präsidium des DTB sollte vor einer Entscheidung sehr wohl abwägen zwischen den zusätzlichen Einnahmen einerseits und den möglichen negativen Folgen dieses neuen Entgeltes andererseits. Eine derartige, für Spieler und Veranstalter mit weitreichenden Folgen verbundene Entscheidung, sollte erst nach ausgiebigen Beratungen und unter Berücksichtigung aller Aspekte erfolgen wird.
Ich glaube fest, dass genau so verfahren wird.

Auf lange Sicht geplant

Die bisherige Turnierteilnehmergebühr war und ist  keine Gebühr für die Berechnung der Ranglisten. Die Turnierteilnehmergebühr fließt ebenso wie die Mitgliedsbeiträge oder Sponsorengelder in den allgemeinen Einnahmetopf des DTB und hat rein gar nichts mit der Ranglistenberechnung zu tun! So äußerte sich Bernd Greiner, damals Vizepräsident des DTB, im Magazin Senior Tennis Service. (Quelle Senior Tennis Service, Heft 2/2016 S. 54/55 )

Eines ist aber auch klar.
Die Berechnungen der Ranglisten und die LK-Berechnungen kosten Geld, vermutlich viel Geld, keine Frage. Ich gehe daher davon aus, dass früher oder später auch ein Entgelt für die Verarbeitung von Ranglisten- und LK-relevanten Daten erhoben werden.
Nach dem Verursacherprinzip wäre ein moderates Entgelt für die Berechnung der Ranglisten und die LK-Berechnungen auch durchaus akzeptabel. Aber das Gesamtpaket der Kosten, die die Mitglieder des DTB und vor allem die Turnierspieler zu tragen haben, muss stimmen und ausgewogen sein.

Vielleicht sollte der DTB nicht scheibchenweise mal hier, mal da Entgelte nach dem Gießkannenprinzip erheben, sondern irgendwann eine Gesamtlösung präsentieren, die den Bereich Turnierentgelte, Kosten für Ranglisten – Berechnungen und auch die Kosten für die LK-Berechnungen umfasst. Eine Gesamtlösung sollte alle Spielerinnen und Spieler angemessen beteiligen: die Ranglisten- Turnierspieler, die LK-Turnierspieler und die Nur-Mannschaftsspieler, deren LK ja auch berechnet werden muss. Ich behaupte nicht, dass eine derartige Gesamtlösung einfach zu finden ist . Aber sie ist zu finden.
Die Einführung des neuen LK-Systems zum Oktober 2020 wäre doch ein geeigneter Zeitpunkt für einen großen Wurf.