Die Deutschen in Essen – eine Nachlese

von Winfried Weidlich

Foto: Inge Stegnjajic

Endlich wieder

Endlich wieder großes Tennis in Essen. Wie man der Zahl der Meldungen entnehmen konnte, besteht bei Seniorinnen, aber anscheinend noch mehr bei den Senioren ein großes Bedürfnis nach diesem Traditions-Hallen-Turnier in Essen. Ein großes Lob gebührt allen, die an der Vorbereitung und Ausrichtung dieses Turniers beteiligt waren. Trotz aller Corona-bedingten Einschränkungen war es wieder ein herausragendes Tennis-Ereignis.
Aber noch mehr freuen wir uns alle auf das nächste Jahr, wenn es hoffentlich wieder in oder außerhalb der Halle Zusammenkünfte und Gespräche ohne Maske geben kann. Tennis ist das Eine, aber Gespräche untereinander und miteinander – und wenn auch nur über Tennis – sind das Salz einer derartigen Veranstaltung.
Und dann erst ist Essen endlich wieder Essen.

Die Top-Gesetzten – nicht immer erfolgreich

  • Nr. Eins und Nr. Zwei im Endspiel
    Damen 40: Manon Kruse (1) und Mirja Wagner (2) 6:1 6:1
    Damen 45: Sonja Vogt (1) und Kristine Quadflieg (2) 6:4 1:6 6:2
    Damen 55: Petra Dobusch (1) und Anke Wurst (2) 2:6 2:6
    Damen 60 Helga Nauck (1) und Katalin Böröcz (2) 6:2 4:6 6:2
    Damen 65 Sabine Schmitz (1) und Jutta Bökmann (2) 6:2 1:6 7:5
    Damen 70 Reinhilde Adams (1) und Edeltraud Remy (5, an zwei gesetzt) 6:1 6:0
    Damen 80 Irmgard Gerlatzka (1) und Heide Orth (2) 0:6 1:6
    Herren 85: Gerhard Specht (1) und Hans Müller (2) 3:6 6:4 10:4
  • Nr. Eins oder Nr. Zwei im Endspiel
    Damen 75 Barbara von Ende (1) und Rotraut Sprieß (ungesetzt) 6:2 6:2
    Herren 50: Christian Schäffkes (1) und Holger Jurna (10) 6:2 6:0
    Herren 65: Michael Rasche (1) und Klaus Liebthal (7) 3:6 4:6
  • Weder Nr.1 noch Nr. Zwei im Endspiel
    Damen 50: Karen Seele (5) und Claudia Gronemeyer (ungesetzt) 6:7 6:4 1:6
    Herren 40: Peter Meyer-Tischler (ungesetzt) und Marc Leimbach (3) 6:4 6:7 7:6
    Herren 45: Daniel Dolbea (ungesetzt) – Matthias Müller (ungesetzt) 7:5 7:6
    Herren 55: Christoph Parringer (ungesetzt) und Karsten Braasch (4) 6:1 6:1
    Herren 60: Tom Zacharias (5) und Thomas Wagenaar (9) 7:6 6:3
    Herren 70: Paul Schulte (3) und Jochen Zöller (7) 7:5 6:3
    Herren 75: Anton Klima (10) und Michael Reiner (ungesetzt) 2:6 2:6
    Herren 80: Hans-Joachim Singhoff (3) und Norbert Feld (ungesetzt) 6:4 7:6

Der König des Matchtiebreaks

Drei Spiele – und drei Siege jeweils im Matchtiebreak: Gerhard Specht (85) muss Nerven wie Drahtseile haben oder er kennt das Wort „Nerven“ überhaupt nicht.
– Viertelfinale: ersten Satz verloren, Sieg im MT mit 10:7;
– Halbfinale: ersten Satz verloren, Sieg im MT mit 11:9;
– Endspiel: ersten Satz verloren, Sieg im MT mit 10:4.

Gerhard Specht Spielerprofil

Wir begrüßen die Rückkehrer

Bei den Deutschen in Essen konnten wir wieder einige Spielerinnen und Spieler begrüßen, die Im Laufe des Sommers auf der Tour vermisst wurden. Egal, ob Ursachen für die Tennispausen Corona, Verletzungen oder notwendige Operationen waren, manchen merkte man auf dem Platz die Trainingsrückstände und fehlende Spielpraxis noch deutlich an.

Reinhilde Adams und die Superserie

Spätestens seit ihrem Sieg bei den Weltmeisterschaften im Oktober 2021 ist Reinhilde Adams einfach nicht zu stoppen. Nach der WM folgten Siege in Gandia (ITF S700) , Sanremo (ITF S400), Budapest (ITF S700), Menton (ITF S700) und natürlich ließ sie auch bei den Deutschen (DTB S-A) in Essen nichts anbrennen: vier Siege ohne Satzverlust bedeuteten den Einzel-Titel in der AK70.

Trotz großer Teilnehmerzahlen – nicht alle AK mit Top-Besetzung

Unter Top-Besetzung verstehen wir, dass möglichst viele Spielerinnen und Spieler der Top Ten der Deutschen Rangliste an den Start gehen. Das ist in den Altersklassen durchaus sehr unterschiedlich

  • drei der Top Ten am Start
    D45, D50, H55,
  • vier der Top Ten am Start
    D40, D65, H45, H50, H65, H75, H85
  • fünf der Top Ten am Start
    D55, D60, D70, D75, H60, H70, H80,
  • sechs der Top Ten am Start
    D80
  • sieben der Top Ten am Start
    H40,

Auf den Spuren von Rafael Nadal

Neu-Achtziger Hans-Joachim Singhoff wandelt auf den Spuren von Rafael Nadal. Seit dem 01. Januar 2022 ist er bei vier Turnieren gestartet – Westerwald Seniors Open, Offene Nordostdeutsche, JSL Seniors Indoors und Deutsche in Essen – und hat alle gewonnen. In 13 Spielen blieb er nicht nur ungeschlagen, sondern gab in diesen 13 Spielen auch nur einen einzigen Satz ab.

n.a. – nicht immer ein feiner Zug

Natürlich treten – vor allem in der Halle – mitunter Verletzungen auf, so dass man am nächsten Tag nicht antreten kann. Leider häufen sich aber auch Absagen vor dem ersten Spiel – und bei derartigen Absagen scheinen wohl nicht immer nur Verletzungen oder sonstige triftige Gründe vorzuliegen. Zahlen aus den Hauptfeldern der Herren:

  • kein Spiel wegen n.a. abgesagt bei H85 (10 Starter)
  • ein Spiel wegen n.a. abgesagt bei H65 (41 Starter) und H70 (48 Starter)
  • drei Spiele wegen n.a. abgesagt bei H40 (32 Starter), H55 (48 Starter), H75 (40 Starter) und H80 (20 Starter)
  • vier Spiele wegen n.a. abgesagt bei H45 (32 Starter) und H60 (48 Starter)
  • sechs Spiele wegen n.a. abgesagt bei H50 (48 Starter)

Erinnerungen an Wimbledon 1993

Als im Endspiel der Damen 65 Sabine Schmitz gegen Jutta Bökmann im dritten Satz einen 1:5 und 0:40 – Rückstand noch drehte und in einen 7:5 -Sieg umwandeln konnte, habe ich unwillkürlich an Wimbledon 1993 denken müssen, als Steffi Graf gegen Jana Novotna im dritten Satz einen 1:4 und 15:40- Rückstand noch drehte. So wie damals viele Zuschauer nicht wussten, ob sie mehr Freude mit Graf oder mehr Mitleid mit Novotna haben sollten, so werden wohl auch manche Zuschauer in Essen gefühlt haben: gleichzeitig Freude mit der Siegerin, aber auch Mitleid mit einer fairen Verliererin.
Dieses Mitgefühl kommt auch sicher daher, dass schon einigen von uns ähnliches passiert ist; wenn man Glück hatte, war auch ein eigener Sieg dabei.

Sabine Schmitz und Jutta Bökmann
Foto: Peter Köhler

Meldungen

Essen 2022 hatte wieder ein großes Teilnehmerfeld mit insgesamt 529 Meldungen, davon 393 Herren und 136 Damen. Hier die Meldezahlen in den einzelnen Altersklassen. Aus diesen Zahlen ist auch ersichtlich, dass es bei den Meldungen keinen Unterschied macht, ob auf Hartplatz (AK50+AK70) oder Teppich gespielt wird.

AK 40 45 50 55 60 65 70 75 80 85
Da  16 9 22 19 8 22 21 9 9 1
He  34 33 48 57 52 41 58 40 20 10

Das Maß der Dinge

Im Computer-Zeitalter nennt man einen Vergleichsmaßstab auf neudeutsch Benchmark – wir bleiben beim guten alten „Maß aller Dinge“.
Maß aller Dinge sind für mich im Doppel in ihrer Altersklasse Helga Nauck (Crefelder HTC) und Katalin Böröcz (TC Doggenburg).
Die Weltmeisterinnen von 2018 in Ulm und von 2021 in Umag holten auch in Essen souverän den Doppel-Titel, nachdem sie sich bereits im Einzel-Endspiel ein unglaublich gutes Match mit dem nach drei Sätzen besseren Ende für Helga Nauck geliefert hatten.

Katalin Böröcz und Helga Nauck

Die in den Einzel-Endspielen vertretenen Vereine

Senioren
zweimal
Ratinger TC GW

je einmal
TV Reutlingen
TC Neunkirchen Brand
TC Pfarrkirchen
Kölner HTV BW
TC GW Vilsbiburg
TC RW Porz
Hildesheimer TV
DSD Düsseldorf
TC Rheinbach
Tennis 65 Eschborn
TC SG Hagen
TC Babcock
Bückeburger TV WRB
TC Schwülper
TC Stadtwald Hilden
TC BW Villingen
TG Neunkirchen
Pulheimer SC

Seniorinnen
dreimal
TC Doggenburg

zweimal
ETUF Tennisriege
TC Rheinstadion

je einmal
TC Union Münster
TC Parkhaus Wanne-Eickel
TC Gauting
Ratinger TC GW
TC RW Höxter
Crefelder HTC
Marienburger SC
TSC Göttingen
Freiburger TC
TC Schiefbahn
TC Rüppurr




Nenngeld

Man hört im Netz schon mal häufiger, dass ein Nenngeld von 90 € zu hoch sei. Die Zahl der Teilnehmer zeigt, dass vielen Seniorinnen und Senioren ein Turnier dieser Qualität diesen Einsatz wert ist. Niemand wird zu einem Start gezwungen und jeder kann frei entscheiden, welches Nenngeld er selbst für angemessen hält. Man kann natürlich über die Höhe des Nenngeldes für ein Turnier diskutieren, aber auch bei diesem Thema – wie bei anderen Themen auch – wäre im Netz mehr Sachlichkeit im Umgang miteinander durchaus wünschenswert.

In eigener Sache

In Essen hatten nicht nur viele Teilnehmer gemeldet, auch das Interesse im Netz war groß. So hatten wir auf unserer Webseite bis zum heutigen Tag mehr als 8.500 Aufrufe für den Bericht über die Deutschen Meisterschaften.