Der Spielersprecher der Senioren – Auswertung der Corona-Umfrage

von Matthias Müller-Seele

Hallo zusammen,
bevor ich zu den Ergebnissen der Umfrage komme, möchte ich mich sehr bei allen bedanken, die sich direkt daran beteiligt haben.  Zudem gilt mein Dank auch Thorsten Jüchter und Winfried Weidlich, die über ihre Netzwerke die Rückmeldungsquote nochmals erheblich gesteigert haben.  Ich hoffe, dass alle von uns die gesammelten Antworten interessant finden und einen Mehrwert darstellen.  Wir zeigen den Verbänden damit auch immer deutlicher, wie wichtig uns der Sport ist und wie differenziert wir mit den verschiedensten Situationen und Themen umgehen können (gestern EU-Ausländerregelung, heute Corona-Krise, morgen ?).

Die Ergebnisse habe ich dem DTB und der Seniorenkommission zukommen lassen, begleitet von einigen zusätzlichen zusammenfassenden Punkten, die eine gewisse Häufigkeit und damit Relevanz in den Antworten hatten.  Die wichtigsten Ausschnitte sind wie folgt (es sind jetzt noch ca. 50 weitere Antworten hinzugekommen – sehr ähnliche Verteilung wie unten):

In meiner Funktion als Senioren-Spielersprecher habe ich insbesondere die Regionalliga- und Turnierspieler um eine Rückmeldung gebeten, wie sie die Tennis-Sommer-Saison 2020 sehen und welche Prioritäten sie im Allgemeinen bzw. im RL / Turnierablauf haben.  Da die Bundesregierung in dieser Woche erste Erkenntnisse aus den bundesweiten Einschränkungen haben wird und möglicherweise auch in den kommenden Tagen darauf aufbauend weitere Veränderungen beschließen könnte, war es unser Bestreben, Ihnen für den Fall der Fälle ein signifikantes und belastbares Meinungsbild von der Basis der ambitionierteren Senioren-Tennisspieler(-innen) zu geben.  

Dieses Meinungsbild könnte möglicherweise bei der ein oder anderen DTB- internen Entscheidung (oder auch bei den einzelnen Landesverbänden) einige hilfreiche Parameter und Argumente aufzeigen.  Das gilt natürlich nur unter der Vorbedingung, dass von staatlicher und behördlicher Seite der Tennissport in absehbarer Zeit wieder ausgeübt werden kann (i.e. spätestens zum 8. Juni lt. DTB). 

Die gesammelten Rückmeldungen der Spielergemeinschaft beläuft sich – Stand Ostermontag 20 Uhr – auf über 300 ! 

Stündlich kommen weitere Meldungen dazu – es ist ein Thema, dass sehr viele bewegt!  Entsprechend ist auch die gesamte Bandbreite der Meinungen – von „so schnell wie möglich wieder spielen“ bis „die Saison komplett ausfallen lassen“ – vorhanden.  Alle Senioren-Altersklassen sind beteiligt (RL30 bis RL75), alle Regionen sind vertreten – es ist also ein sehr guter Schnitt durch die Regionalligen und Turnierszene, der die Gesamtheit der betroffenen Spieler vertreten kann.

Trotz – oder gerade wegen der Vielfalt – gibt es einige sehr eindeutige Tendenzen, die für die mögliche anstehende Saison wichtig sein sollten.  Diese möchte ich jetzt mit Zahlen darstellen:

Auswertungen

85% der Antwortenden wollen, dass die Tennissaison beginnt, sobald dies durch die Behörden erlaubt ist.

15% würden die Saison komplett ausfallen lassen – oder zumindest auf Minimal-Tennis beschränken.

72% der Antwortenden wünschen sich in diesem Fall auch eine Durchführung der Regionalligen.

28% sehen eine normale Durchführung als gefährlich oder wettbewerbsverzerrend und sollte daher nicht gemacht werden.

80% würden dann auch die Saison spielen, wenn ausländische Mannschaftsspieler – bedingt durch Reisebeschränkungen – nicht oder nur teilweise an den Medenspielen teilnehmen könnten.

20% sehen dies als Wettbewerbsverzerrung (unterschiedliche Reisebeschränkungen einzelner Länder) und würden dann eher ungern oder ganz ohne Ausländer spielen wollen (wobei dies dann gegen den neuen Gleichstellungsparagraphen verstößt).

86% bevorzugen – insbesondere bei einem erneuten Spielverbot – dass die Abstiegsregelung in diesem Jahr nicht angewandt wird (oder nur bei rechnerisch bereits feststehenden Absteigern).

14% können auch mit der gültigen Abstiegsregelung leben.

80% der Antwortenden wünschen sich auch die Austragung einer Endrunde.

20% sehen hier eine terminliche Schwierigkeit bzw. auch Risiken bei der Austragung an einem Ort.

50% würden dabei auch die derzeit gültige Regelung der Mindesteinsätze in der Vorrunde anwenden (dieser Wert erhöht sich, wenn man nur die Gruppe der Regionalligaspieler wertet, auf 69%). Einige würden auch mit einem Vorrunden-Einsatz zufrieden sein (statt 2).

82% sehen auch die Durchführung von Turnieren als möglich und sinnvoll an.

18% – ähnlich wie ganz oben – würden eher die komplette Saison ausfallen lassen.

Dazu kommen eine Reihe von weiteren Aspekten, die durchaus auch eine Rolle in der Meden- und Turnierabwicklung haben könnten und hier zumindest als ergänzende Information an den DTB und die Verbände weitergeleitet werden:

Medenspiele:
– Zeit zur Vorbereitung auf die Spiele (Training)
– Anreise zum Auswärtsspiel zu mehreren Spielern in einem Auto
– mehrere Mannschaftsspiele gleichzeitig bei einem Verein
– Benutzung der Umkleideräume/Toiletten
– Unterschiedliche Reisebeschränkungen einzelner EU-Länder
– Unvollständiges Antreten der Mannschaften (bedingt durch Krankheit, Reise, Urlaub, Rest-Risiko, etc.)
– unterschiedliche Behandlung von den älteren AK (Risikogruppen)
– Aspekt der Geselligkeit verändert durch Kontaktbeschränkungen
– gleiche Regelung aller Verbände/Regionalligen

Turniere:
– Anzahl der Teilnehmer/Spiele gleichzeitig vor Ort
– Durchführung von Doppel
– Hotel und Verpflegung für Spieler, die weiter entfernt wohnen
– Terminnot bei gleichzeitiger Durchführung von Medenspielen
– ITF Turnier-Verbot -> mögliche Umwandlung zu einem reinen DTB Turnier



Erwähnt sei natürlich auch, dass alle Rückmeldungen die Wichtigkeit von entsprechenden Hygiene- und Kontakt-Verhaltensregeln hervorgehoben haben – größtenteils in Bezug auf die Durchführung von Tennisspielen (kein Handshake, Seitenwechsel auf gegenüberliegenden Seiten, kein Abklatschen, ggf. kein gemeinsames Essen, etc.) aber teilweise auch als Begründung für den kompletten Ausfall der Sommersaison 2020.  Es ist allerdings nicht mein Anliegen, eine Diskussion über die verschiedenen Argumente anzustoßen – ich will hiermit nur die mir zugetragenen Meinungen in einen überschaubaren und nutzbaren Rahmen bringen.

Wir Spieler/-innen würden uns sehr freuen, wenn der DTB und die Landesverbände unsere Meinung(en) entsprechend mit in Ihre Überlegungen einbezögen.  Für weitere Fragen, Anmerkungen oder alle Einzelheiten der o.a. Informationen stehe ich natürlich zur Verfügung!  Bereits jetzt besten Dank für Ihre Arbeit in dieser schwierigen Situation – und Ihre Unterstützung in den kommenden Wochen und Monaten.  Letztlich trägt auch eine gute Kommunikation untereinander zu einer erfolgreichen Umsetzung der verschiedenen Maßnahmen bei.

Es ist mein Anliegen, die Meinungsvielfalt aller Spieler einzufangen und diese dann quantitative und qualitative zusammenzubringen.  Das habe ich versucht und dem DTB objektiv übermittelt.  Wie er und die einzelnen Verbände damit umgehen weiß ich natürlich nicht – aber jeder von uns kann direkt oder über den Verein weiterhin die eigenen Argumente im jeweiligen Landesverband vertreten.  Sobald ich weitere konkrete Informationen habe, leite ich diese weiter und verbleibe bis dahin

mit sportlichem Gruß – bleibt gesund !

Matthias