Der Glottisschlag – auch im Tennis relevant

Eine Glosse von Winfried Weidlich

Kein Tennistrainer wird ihn lehren und keinen Weltklassespieler hat man ihn je spielen sehen – und trotzdem kommen auch wir in unserem Sport an diesem Schlag nicht vorbei.

Unsere Schriftsprache hat wundervolle Zeichen hervorgebracht. Wer erinnert sich nicht gerne an seine Schulzeit, wo man lernte, deikitische von ikonischen oder gar symbolischen Zeichen zu unterscheiden und Syllabogramme oder Ideogramme quasi mit der Muttermilch aufsog.

Anführungszeichen, Kommas oder einen Apostroph in einem Text sah man, sprach man aber nicht. Sternchen mitten im Wort gab es nicht. Im Diktat ein schwerer Fehler, heute fast Pflicht.
Glottisschlag – ein Stern, der einen Namen trägt. Wahr gewordene Umsetzung eines Gassenhauers.

Tennisspielerinnen sind alle weiblichen und Tennisspieler alle männlichen Geschlechts. Das galt prinzipiell für alle Sportarten mit Ausnahme von zwei Leichtathletinnen, den sogenannten Press-brothers. Aber das wissen nur Sportbegeisterte in meinem Alter.

In letzter Zeit habe ich einen neuen Begriff gelernt: Tennisspieler*innen. Gemeint sind damit alle, die Tennis spielen. Bei einem Grand Slam-Turnier spielen Tennisspieler*innen; manche dieser Wesen spielen drei, andere nur zwei Gewinnsätze. Wundern Sie sich also nicht demnächst über die Schlagzeile: Grand Slam-Sieger*innen wurden Alexander Zverev und Angelique Kerber.

Mal weg vom Tennis.
Ich warte nur noch auf eine Meldung, dass die Zahl der Straftaten und auch die Zahl der Straftäter*innen erheblich gestiegen ist. Interessant zu wissen, dass der weitaus überwiegende Teil von Straftäter*innen männlichen Geschlechts sind. Von Gleichbehandlung zu Gleichschaltung ist es bisweilen nur ein kleiner Schritt.

Neben diesen, dem menschlichen Erfindergeist zuzuordnenden wunderbaren Wortschöpfungen, die wir noch erwarten können, bin ich auch gespannt, wie Sprecherinnen und Sprecher diese von einem Stern erzwungenen Laut umsetzen.
Die den Stimmmuskel überziehenden Schleimhautfalten sind, möglicherweise altersbedingt, unterschiedlich entwickelt, nicht immer bildet die Stimmritze eine perfekte spindelförmige Längsöffnung oder der pharyngale orale Hauch läuft nicht synchron.

Im Zweifelsfall werden wir manche *innen-Begriffe ohne Glottisschlag hören müssen oder aber so eine Tagesschau zieht sich, weil die Vollverschlussstellung der Stimmlippen bei Sprecher*innen sich partout nicht öffnen lässt.
Wie ich uns Deutsche kenne und vor allem diejenigen, die uns diese Diskussion eingebrockt haben, einschätze, wird es demnächst einen „Bachleor*ette of Glottis“ geben mit Diplom und Doktorarbeit.

Der Glottisschlag ist übrigens keine Erfindung der Neuzeit. Ich persönlich bevorzuge die Bezeichnungen Knacklaut oder Einschaltknack. Auch die Definition des Duden “ beim Gesang als harter, unschöner Tonansatz empfundener Knacklaut vor Vokalen“ behagt mir. Früher habe ich diese Knacklaute immer dem Plattenspieler zugeordnet, heute bin ich mir da nicht mehr so sicher.

Erstaunlicherweise wird der Glottisschlag, obwohl kaum jemandem bekannt, sehr viel häufiger verwendet als gedacht. Jedes Seufzen z.B. beginnt mit einem Glottisschlag. Und obendrein kann man die Stimmung des Seufzenden erkennen, je nachdem, ob die Tonlage des Seufzers nach unten oder nach oben geht.

Mein Tipp für Partnernde: Seufzen Sie nicht, stöhnen Sie. Kein Knacklaut, keine Tonlage, kein Erkennen der Stimmung möglich. Ersetzen Sie Seufzen durch Stöhnen. Beim Frühstück, beim Abendessen, bei der Nachtwanderung oder anderen gemeinsamen Verrichtungen.
Es sei denn, Sie wollen dem Partner Zustimmung heucheln oder zu erkennen geben: Seufzen Sie, was das Zeug hält – und immer mit dem Ton schön nach oben gehen.

Noch mehr als diese überflüssige Diskussion ärgert mich ungemein, dass Österreicher und Schweizer, die Hochdeutsch sprechen, keinen Glottisschlag sprechen können. Und damit bleibt ihnen diese Jahrhunderterfindung aus deutschen Federinnen vorenthalten. Schade. Ich hätte es ihnen von Herzen gegönnt.

Auch in vielen anderen Sprachen ist der Glottisschlag unbekannt bzw. kann nicht gebildet werden. Da kann ich nur sagen: die Glücklichen.

Ein Hinweis an alle Leserinnen, Leser und Leser*innen:
Dieser Beitrag könnte Spuren von Sarkasmus und Ironie enthalten.