Corona – Doppel

eine nicht ganz ernst gemeinte Analyse von Winfried Weidlich

Doppel ist ein Begriff mit fast unzähligen Variationen.
Ohne Kenntnis des Doppel-Plusquamperfekts hätte ich z.B. diesen Artikel nie geschrieben gehabt. Doppelbock als Getränk und Doppel-Whopper als Imbiss möchte ich nicht missen, die Doppelhaushälfte ist mein Lebensmittelpunkt und meine Frau und ich empfinden inzwischen unsere Ehe als Doppelirrtum.
Doppelballonendoskopie und Doppelbesteuerung mag ich gar nicht.

Dass mich Mannschaftskollegen wegen meiner nicht gerade exzellenten Fähigkeiten auf der roten Asche Doppelblind und wegen meiner ängstlichen Spielweise Doppelmuffe nennen, nehme ich als liebevolle Anfeuerung für besseres Doppelspiel.

Aber selbiges – das Doppel-Spiel in Zeiten von Corona – ist zur Zeit nicht wirklich unproblematisch.
Einzel darf ich spielen. Ohne Einschränkung. Zu viert auf den Platz dürfen wir auch. Cross, Longline, Volley und Aufschlag als Training. Was man so halt für ein Doppel trainiert. Aber um Punkte spielen ist nicht erlaubt.

Zumindest nicht in Essen. Woanders schon. In Bielefeld dürfte ich. Doppel spielen um Punkte, meine ich. Nach Bielefeld können wir gemeinsam nur mit der Bahn fahren. Aber ein ganzes Wochenende auf zugigen Bahnsteigen oder in stehengebliebenen Zügen verbringen. Wegen 80 Kilometer nach Bielefeld. Auf keinen Fall.
Die Fahrt zu viert in einem Auto ist nicht erlaubt. Vielleicht mit Maske. Aber dann ohne Fahrer. Denn der muss unmaskiert sein. Wenn einer von uns Fahrlehrer wäre, könnte es vielleicht klappen. Und mit Zweitwohnsitz in Bielefeld. Den braucht man, um die Einlasskontrolle am Ortseingang zu überstehen. Aber mal ehrlich: wer hat denn schon einen Zweitwohnsitz ausgerechnet in Bielefeld?
Oder habe ich jetzt Ostwestfalen mit Ostpommern verwechselt?

Zu Dritt auf dem Platz wäre auch eine Möglichkeit. Gilt ja wohl nicht als Doppel. Um Punkte spielen wäre möglich, aber laut zählen dürfte wahrscheinlich nur der, der allein auf seiner Seite steht. Das werde ich noch einmal nachschauen müssen.

Und was ist mit dem Bierchen nachher?
Ist ja für Tennisspieler wichtiger als die Zigarette nach anderen Verrichtungen.
Ist aber schwerer als man denkt. Nicht das Regeln-einhalten, sondern das Bierchen trinken. Vor diese an sich einfache Verrichtung, ein Getränk zu sich zu nehmen, haben die Götter oder besser die Gesundheitsämter hohe Hürden gesetzt.

Denn:
Ist die Clubgastronomie an einen Pächter verpachtet, ist das Getränk gesichert, denn es gelten die gleichen Auflagen wie für Restaurants.
Wird die Gastronomie vom Verein selbst betrieben: Pech gehabt und nichts zu trinken. Geschlossen bis Ende Mai.

Wenn ich hier etwas vom Thema abweichen darf:
Tennis muss wesentlich älter sein als wir denken, denn schon im 6. Jh.v.Chr. hat der chinesische Philosoph Laotse über Tennis gesprochen:

Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als wir mit unserem Verstand erkennen können.“

Oder hatte er womöglich schon von den Gesundheitsämtern im Ruhrgebiet gehört?

Gott sei Dank haben wir in unserer Truppe das Problem gelöst. Wie bei unseren Doppelkopfrunden bringt jeder auch zum Tennis etwas mit.

Wir sind multikulturell:
Der Rheinländer bringt reichlichst Getränke mit, der Westfale genau auf die Personenzahl abgestimmtes Essen und unser Lipper bringt seinen Bruder mit.
Beim Tennis hat Letzterer etwas Pech: auf die Anlage darf er nicht, denn Zuschauer sind verboten – auch beim gemütlichen Beisammensein.

Irgendwo hat alles auch eine kleine gute Seite.