Corona-Bürokratie im Tennis-Alltag – wie Sport zum Alptraum werden kann

von Winfried Weidlich

Mangelnder Sport verursacht Schlaflosigkeit, diese führt zu wirren Gedanken – und wenn man endlich schlafen kann, neigt man zu irren Träumen.
Ich habe gestern geträumt, dass die Politik jetzt auch für unseren Sport verantwortlich ist: ein Alptraum in mehreren Akten.

Akt1
Die in der EU für die Impfbestellungen Verantwortlichen arbeiten im Vorstand eines Tennis-Landesverbandes. Sie kümmern sich natürlich auch um die Ballbestellung für die Sommersaison.

Die Verhandlungen und Bestellungen sind perfekt gelaufen, sagen die Verantwortlichen.
Leider sind am ersten Spieltag tatsächlich nur 2% aller bestellten Bälle geliefert. Eine Prioritätsliste für Mannschaften, die unbedingt spielen sollen, wird nach längeren Beratungen mit einer Experten-Runde verworfen.
Als Kompromiss werden einige Mannschaften komplett mit Bällen aus (18 pro 6er-Mannschaft) beliefert, einige weitere mit der Hälfte (9 pro 6er-Mannschaft), damit diese schon einmal eine Runde spielen können. Die restlichen Mannschaften erhalten eine Telefon-Nummer, unter der sie den Termin der nächsten Balllieferung erfragen können.

Die Gesamtlieferung von Bällen ist über die Saison hin gestaffelt, so dass Termine immer nur abhängig von Balllieferungen kurzfristig anberaumt werden können. Aber bis Ende September wird jede Mannschaft einen Terminvorschlag für das letzte Saisonspiel bekommen, wann immer dieses auch stattfinden wird.
Das ist auf die Hand versprochen.


Akt 2
Die IT-Verantwortlichen im Bund oder den Ländern sind auch für Software in unserem Sport verantwortlich. Die einheitliche Ranglisten- oder LK-Ordnungen bleiben zwar deutschlandweit gültig, die Berechnungen werden sich aber vermutlich sehr schwierig gestalten.

Nach Punktspielen oder Turnieren werden die Ergebnisse nicht mehr mit einheitlicher Software digital übertragen, sondern per Telefon, Fax, Brieftaube oder reitendem Bote weitergegeben. Das hat sich über Jahrzehnte bewährt und Bewährtes sollte man nicht ändern. Sonntags ist aus Datenschutzgründen Ruhetag, daher können Wochenend-Ergebnisse nicht übermittelt werden.

Statt eine komplizierte neue Software einzuführen, überlegen Inselclubs oder in Gebirgen gelegene Vereine die Einführung der auf La Gomera seit ewigen Zeiten verwendeten Pfeifsprache, um sich über große Entfernungen und zwischen den Inseln zu verständigen.
Diese ist leichter zu erlernen und verspricht nebenbei auch jede Menge Lokalkolorit.


Akt 3
DTB und Landesverbände verhalten sich wie die Ministerpräsidentenkonferenz: Tennis wäre vermutlich ein anderes Spiel als wir es kennen.
Beschlüsse gelten nicht als einheitliche Regelungen und Handlungsanweisungen, sondern als eher unverbindliches Geplauder und überdauern selten länger als eine Nacht. Verbände oder gar Vereine treffen für ihren Bereich eigene Entscheidungen je nach realen oder gefühlten Umständen, den Intuitionen externer oder interner Berater, dem Zeitpunkt der nächsten wichtigen Vorstandswahl oder im Zweifelsfall je nach Lust und Laune.

So ist zu erwarten, dass in derselben Region oder Stadt ein Verein alle Plätze geöffnet, ein anderer alle Plätze geschlossen hat. In einem Club gelten alle als Profis und dürfen spielen, aber nicht duschen, in einem anderen sind alle Mitglieder in einer Reha, dürfen auch spielen, müssen aber geduscht werden und in einem dritten Club darf jedes Mitglied duschen, aber nicht spielen.
Das nennt man, glaube ich, Föderalismus – und selbiger scheint nicht nur Vorteile zu haben.

Ein Logiker als Verbandsvorstand sorgt vermutlich als erstes für die Umstellung der Zählweise von 15,30,40. usw auf 1,2,3,4 usw.. Ein konditionsschwacher, aber einflussreicher Sportwart wird ab erstem Satz Tiebreak einführen oder gleich bei 2:2 im Satz beginnen lassen. In Verbänden mit Pünktlichkeitsliebhabern an der Spitze werden Mannschaftsspiele auf die Minute beginnen, woanders ist vielleicht der frühe Nachmittag als ungefährer Beginn festgelegt.

Ganz zum Schluss habe ich tatsächlich noch etwas unerwartet Schönes geträumt: Tennis in der Halle war überall erlaubt.

Und mit diesem tröstlichen Gedanken bin ich aufgewacht.