Auf ein Wort – über die Beleuchtung in Tennishallen

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Da spielt man ein hochgradiges Freiluft-Turnier und dann geschieht, was für fast jeden ein Gräuel ist: Man muss in die Halle ausweichen. Das ist ganz generell weder für Spieler noch für die Turnierleitung erfreulich. Turnierveranstalter, die keine clubeigene Halle besitzen, müssen mit den in der Umgebung vorhandenen Hallen vorlieb nehmen. Auf die Ausstattung dieser Hallen haben sie keinen oder nur wenig Einfluss. Vor allem bei Turnieren in eher kleineren Orten ist die Auswahl an Tennishallen nicht sehr groß und da ist es mitunter nicht zu vermeiden, in Hallen auszuweichen zu müssen, die den Anforderungen an vernünftiges Tennis nicht entsprechen. Und was für Hallen da manchmal angeboten werden, ist schon erschreckend. Dass mitunter der Teppichboden mehr geflickt als an einem Stück verlegt ist: nicht schön. Dass das Granulat an manchen Stellen sich türmt, dafür an anderen Stellen des Platzes gar nicht vorhanden ist: auch nicht schön. Was aber wirklich eine absolute Zumutung darstellen kann: das Licht. Besser: das fehlende Licht. Und das macht Tennisspielen eher zu einer Qual als zu einer Freude.

Tennis als sehr schnelles Spiel stellt hohe Anforderungen an die Sehleistung. Folglich ist eine gute Ausleuchtung besonders wichtig, um den Ball verfolgen zu können. Das Licht in Tennishallen sollte hell und gleichmäßig sein, den Kontrast zwischen Ball und Hintergrund deutlich hervorheben, dabei aber gleichzeitig wenig Schatten erzeugen und nicht blenden. Die Beleuchtung muss auch über die Seitenlinien hinaus und im Auslaufbereich hinter der Grundlinie gleichbleibend hell und gut ausgeleuchtet sein. Damit Tennisspieler beim Blick auf hoch fliegende Bälle nicht geblendet werden, sollten sich direkt über dem Spielfeld keine Leuchten befinden. Auch die Deckenfläche bis zu drei Meter hinter der Grundlinie muss frei von Leuchten sein, da der Blick insbesondere beim Aufschlag nach oben geht.

Viele Tennishallen haben Jahre, mitunter Jahrzehnte auf dem Buckel. Und ihre Beleuchtung auch. Uralte Quecksilberdampflampen, die zehn Minuten zum Warmlaufen brauchen, alte Röhrenlampen, von denen ein Teil defekt ist und daher dunkel bleibt oder auch Strahler, die ihre Kraft verloren haben, sind in noch recht vielen Tennishallen die Regel. Die Spielfläche ist oft noch ausreichend beleuchtet, aber die seitlichen oder die hintere Auslaufzonen liegen eher im Dunkeln.

Da es in Deutschland für alles Normen gibt, sind natürlich auch lichttechnischen Werte für eine Tennishallenbeleuchtung festgelegt. Die Norm EN 12193 beschreibt die Anforderungen an Sportbeleuchtungsanlagen hinsichtlich Beleuchtungsklassen, Beleuchtungsstärke, Gleichmäßigkeiten, Farbwiedergabe und Blendungsbegrenzung. In Abhängigkeit von der Sportart, von der Geschwindigkeit der Bewegungsabläufe, von Größe und Tempo der Bälle und anderen Kriterien sind drei Beleuchtungsklassen festgelegt. Für die Beleuchtung von Tennishallen gilt:

Klasse I = Hochleistungswettkämpfe werden mit 750 lx beleuchtet.
Klasse II = Wettkämpfe mit mittlerem Niveau 500 lx
Klasse III = Einfache Wettkämpfe, Schul- und Freizeitsport 300 lx

Weder in den Regeln der ITF noch in denen des DTB konnte ich irgendwo finden, welche Tennis-Turniere, egal welcher Altersklassen, beleuchtungstechnisch als Hochleistungswettkampf, Wettkampf mit mittlerem Niveau oder als Einfacher Wettkampf gilt. Ob für Turniere in der Halle überhaupt Beleuchtungsklassen vorgeschrieben sind, konnte ich auch nicht feststellen. Auch aus der Turnierordnung des DTB ist Konkretes nicht herauszulesen. Am ehesten ist der §12 heranzuziehen:

Der Veranstalter hat die Voraussetzungen für die Durchführung des Turniers zu schaffen. Zu seinen Aufgaben, die auch einem Turnierdirektor und/oder Ausrichter übertragen werden können, gehören:

-die Bereitstellung der Anlage samt den notwendigen Einrichtungen und Spielplätzen in der für die ordnungsmäßige Durchführung erforderlichen Zahl und deren Vorbereitung sowie Pflege und Instandhaltung während des Turniers

Bei Hallenturnieren kann jeder Teilnehmer nach seinen Erfahrungen mit dieser Halle entscheiden, ob er noch einmal an diesem Turnier teilnehmen will. Bei einem Freiluft-Turnier ist das Ausweichen in eine Halle die Ausnahme und nicht vorhersehbar. Zu den Aufgaben eines Oberschiedsrichters sollte, wenn er die Entscheidung über die Verlegung von Spielen in eine Halle trifft, auch die Überprüfung dieser Halle auf für Tennis geeignete Lichtverhältnisse gehören. Das wäre kein großer Aufwand, denn entsprechende Luxmeter gibt es tatsächlich für ein paar Euro zu kaufen.


Die Beleuchtungsstärke hat besonders großen Einfluss darauf, wie schnell und sicher der Spieler den Ball erfasst und wahrnimmt. Sie beträgt ein Lux (lx), wenn der Lichtstrom von einem Lumen einen Quadratmeter Fläche gleichmäßig ausleuchtet. Gemessen wird die Beleuchtungsstärke an einem Raster von Messflächen, die über das gesamte Spielfeld einschließlich der Auslaufflächen verteilt sind. Das Licht ist gleichmäßig verteilt, wenn die Beleuchtungsstärken an verschiedenen Bewertungspunkten ähnlich hoch sind. Wenn die Helligkeit gleichmäßig verteilt ist, kann die Sehaufgabe leichter erfüllt werden. Ein Wechselspiel von hellem Licht und dunklem Schatten überfordert die Augen, weil sie sich ständig neu anpassen müssen. Leuchten für Sporthallen müssen ballwurfsicher sein. Auftreffende Bälle dürfen die Leuchte nicht derart beschädigen, dass Leuchtenteile herabfallen.

Für Seniorinnen und Senioren sind sehr gute Lichtverhältnisse besonders wichtig. So nimmt der Lichtbedarf ab 35 Jahren zu. Ab 40 nimmt die Akkommodationsbreite, der Bereich zwischen maximaler und minimaler Gegenstandsweite, bei der noch eine scharfe Abbildung auf die Netzhaut möglich ist, deutlich ab. Ab diesem Alter vermindert sich auch Tiefenwahrnehmung, dafür nimmt die Blendempfindlichkeit zu. Die Sehschärfe lässt ab 50 nach, ab 55 verzögert sich die Dunkelanpassung, das Gesichtsfeld engt sich ein und man benötigt mehr Zeit für die scharfe Wahrnehmung eines Objektes. Ab 70 wird auch die Farbwahrnehmung schlechter.

All diese mehr oder weniger leichten und störenden Einschränkungen hindern keinesfalls am Turniertennis, denn mit sehr guten Lichtverhältnissen ist vieles auszugleichen. Man muss nur die entsprechende Halle haben.