An den DTB: Handeln tut not

von Winfried Weidlich
26.04.2021

In manchen Tennis-Landesverbänden wie Hamburg, Hessen oder im Saarland ist die Durchführung von Wettkämpfen nicht gestattet. Im Württembergischen Tennis-Bund gilt eine Sperre für alle Wettkämpfe bis zum 16.05.2021. Betroffen davon sind die Hobbyrunden, Hobbyturniere und die Beach-Tennis-Liga 2021, Ranglistenturniere expressis verbis nicht. In Bayern sind Turniere erlaubt, aber das Training mit Kindern war bis zum 27.04. verboten.

Manche Gesundheitsämter erlauben Turniere, andere nicht. Ob Tennisturniere erlaubt oder verboten sind, hängt von den Bewertungen eben dieser Ämter ab. Und wie eng oder locker Forderungen des Infektionsschutzgesetztes interpretiert werden, kann sehr unterschiedlich sein.

Deutschland ist schon wieder von einem Flickenteppich an Tennis-Regeln überzogen, der wirklich nicht mehr verständlich und auch nicht mehr erträglich ist.
Und ich spreche an dieser Stelle nur von der Genehmigung von Turnieren und nicht einmal von den von Stadt zu Stadt unterschiedlichen Regelungen, wie und wann sich Tennistrainer testen lassen müssen.

Natürlich kann der DTB nicht in die Hoheit der Bundesländer eingreifen und Regelungen außer Kraft setzen, die Bundesländer beschlossen haben. Das wäre gegen bestehendes Recht und das erwartet kein Mensch.

Was der DTB aber kann und was er auch sollte:
seine eigenen Ordnungen und Regeln so umsetzen und anwenden, dass Regeln und auch Bewertungen in Ranglisten und LK für alle Tennisspieler gelten – deutschlandweit und in allen Landesverbänden.

Ein Beispiel
Ab dem 26. April sollte im Stuttgarter Stadtteil Zuffenhausen ein ITF-Tennisturnier stattfinden. Dieses Turnier wurde abgesagt. Zwar war der Grund für die Absage weder auf der Webseite des Turnierveranstalters noch auf der Webseite des austragenden Clubs zu lesen, aber Inzidenzen von über 200 in Stuttgart in den Tagen vor Turnierbeginn lassen den Schluss zu, dass die Notbremse des Infektionsschutzgesetzes gegriffen hat.

Nun startet dieses Turnier nicht in Zuffenhausen, sondern einen Tag später als geplant in Sindelfingen. Sindelfingen schließt ab 26.04.2021 KiTas wegen einer Inzidenz von 165. Das Turnier mit mehr als 160 gemeldeten Teilnehmern findet statt.

Auch wenn alle Regeln eingehalten werden können und die Durchführung eines Tennisturniers auch in dieser Größenordnung den gesetzlichen Regelungen entspricht, ist es den Bürgern einer Stadt nicht zu vermitteln, dass bei gleichzeitiger Schließung von KiTas sich 160 Leute zu einem Tennisturnier treffen können.
Besonders unverständlich ist, dass in der Ausschreibung für dieses neue Turnier in Sindelfingen vom Turnierveranstalter auch noch Doppel und Mixed angeboten werden, was eindeutig gegen entsprechende Regelungen verstößt.

Ich bin ein absoluter Verfechter unseres Sports und habe wiederholt darauf hingewiesen, dass Tennis im Freien nicht nur sehr geringe Ansteckungsgefahren birgt, sondern für Gesundheit und Wohlbefinden ein ganz wichtiger Aspekt ist.
Insofern bin ich froh, dass Tennis zu zweit und auch als Training in kleinen Gruppen bis fünf Kinder unter 14 Jahren möglich ist.

Aber müssen Tennisturniere um Ranglistenpunkte in dieser Zeit sein und sind nicht viele Tennisspieler benachteiligt, weil sie an Turnieren gar nicht teilnehmen können?
Es ist unstrittig, dass Seniorinnen und Senioren im Sinn des Infektionsschutzgesetzes keine Berufssportler oder Leistungssportler von Bundes- oder Landeskadern sind, auch wenn sie an Tennisturnieren teilnehmen. Zwar hat der DTB Seniorinnen und Senioren in einigen Fällen schriftlich bescheinigt, „Nationalspieler und für internationale Mannschaftswettbewerbe vorgesehen zu sein“ und das hat auch in einigen Fällen dazu geführt, dass diese so Beschriebenen von ihrem Gesundheitsamt als Berufssportler anerkannt wurden. Aber es wird wohl niemand ernsthaft behaupten, dass jeder, der für Deutschland bei einer Tennis-Senioren-Weltmeisterschaft startet, als Berufssportler gelten kann.
Daraus folgert, dass für Teilnehmer an Senioren-Turnieren Übernachtungen in einem Hotel nicht möglich sind. Insofern sind Turnierteilnahmen an vom eigenen Wohnort weit entfernt stattfindenden Turnieren nicht möglich, wenn man nicht täglich nach Hause fahren oder bei einem Freund übernachten kann.
Damit ist klar, dass an Turnieren, auch wenn sie offen für alle ausgeschrieben sind, tatsächlich nicht alle, die wollen, auch teilnehmen können. Eine für alle mögliche Teilnahme ist aber für die gerechte Wertung eines jeden Turniers unerlässlich.
Es macht einen gewaltigen Unterschied, ob ich freiwillig nicht zu einem Turnier melde oder ob ich aus Umständen, die ich nicht zu vertreten habe, an einem Turnier nicht teilnehmen kann.

Wenn eine Rangliste in eine deutliche Schieflage abzugleiten droht, weil ein doch recht großer Spielerkreis an Turnieren gar nicht teilnehmen kann, könnten oder sollten die verantwortlichen Entscheider beim DTB in Erwägung ziehen, Wertungen für Ranglistenturniere erst einmal bis zum einem gewissen Datum auszusetzen.

Zur Zeit ist in der Schwebe und ohnehin völlig unklar, ob in den nächsten Wochen oder gar Monaten überhaupt Turniere stattfinden können. Abhängig ist die Durchführung eines Turniers von dem zuständigen Gesundheitsamt – und da kann es nicht nur von Land zu Land, sondern sogar von Stadt zu Stadt zu sehr unterschiedlichen Entscheidungen quer durch die gesamte Republik kommen. Bevorteilt sind die Turnierspieler, die in der Nähe eines oder mehrerer Turnierorte wohnen; benachteiligt diejenigen, die ihren Wohnort weit weg von einem möglichen Turniergeschehen haben.

Mit einer Aussetzung der Ranglistenwertung für einen vom DTB zu bestimmenden Zeitraum, der auch je nach Lage verlängert oder verkürzt werden kann, wären Turniere ohne Ranglistenwertung nicht mehr so interessant und manche Autofahrten und Kontakte würden eingespart. Alle Tennisspieler wären gleichermaßen betroffen – und Tennisspielen können alle weiterhin.

Für Turnierveranstalter und ausrichtende Clubs brächte eine derartige Lösung natürlich Nachteile, weil Ranglistenturniere vermutlich mangels Nachfrage abgesagt werden müssten. Besonders betroffen sind Turnierveranstalter, die von Turnieren leben, aber vielleicht kann der DTB ja eine zeitlich begrenzte finanzielle Regelung zur Entlastung treffen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die meisten der in den nächsten Wochen geplanten Turniere den hohen Inzidenzen zum Opfer zu fallen drohen, ist ohnehin sehr hoch. Aber das ist natürlich kein Trost.

LK-Turniere
Die Durchführung von LK-Turnieren muss davon nicht betroffen sein. Denn LK-Turniere werden meistens an einem Tag durchgeführt, haben in aller Regel deutlich weniger Teilnehmer als ein Ranglistenturnier und die Teilnehmer kommen fast immer aus der unmittelbaren Region und können problemlos nach dem einen oder den zwei Spielen den meist sehr kurzen Weg nach Hause nehmen.

Es sollte nur eindeutig und klar geregelt werden:
Entweder
– wöchentlicher Motivationsaufschlag (0,025) für jeden Spieler in der Woche, in der er mindestens einmal gespielt hat (egal, ob gewonnen oder verloren)
oder
– wöchentlicher Motivationsaufschlag (0,025) für jeden Spieler in der Woche, in der er mindestens einmal gewonnen hat
oder
– diese Wertungen nicht wöchentlich, sondern monatlich (0,1)
und
– kein wöchentlicher oder monatlicher Motivationsaufschlag für Spieler, die in dem entsprechenden Zeitraum nicht gespielt haben.

Mein Fazit
Ich bezweifle nicht, dass Ranglistenturniere den Regeln entsprechend durchgeführt werden können. Keine Frage. Wohnortbedingt kann an diesen Turnieren zur Zeit nur ein recht kleiner Personenkreis teilnehmen. Und damit wird die Rangliste noch mehr verfälscht, als sie es vielleicht jetzt schon ist.
Im Vergleich zu anderen Sportarten haben wir das Glück, unseren Sport ausüben zu können, wenn auch mit Einschränkungen.
Ein Senioren-Tennisturnier mit 150 oder noch mehr Teilnehmern und eine wegen der Inzidenzen gleichzeitige Schließung von Schulen oder KiTas hat logisch nicht miteinander zu tun. Aber emotional ist das nicht zu vermitteln und schadet dem Ruf unseres Sports.

Es gibt sicher nicht nur einen richtigen, sondern verschiedene akzeptable Lösungsansätze.
Aber die Verantwortlichen sollten bald Entscheidungen treffen – und diese Entscheidungen auch bald und umfänglich kommunizieren.

Wenn ich zum Abschluss den neuen Präsidenten des DTB, Dietloff von Arnim, zitieren darf:
„Wir müssen die Kommunikation des Verbandes noch verbessern, müssen lauter werden, müssen unsere Themen setzten. Hier sehe ich noch viel Potential – nicht nur während Corona.“

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.